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Pula – Cres – Martinšćica – Unije – Susak – Pula

🗓️ 21.–27. August 2021
Jacht: Carmen, Elan Impression 384 · 11,55 m · 3,91 m · 1,8 m Tiefgang
🧭 Revier: Obere Adria / Kvarner
📏 Distanz: 107 Seemeilen
🌙 Nachtfahrt: Martinšćica – Unije, 21,5 sm

Route des Segeltörns 2021

Rekonstruierter Routenverlauf – keine exakte GPS-Aufzeichnung.

Das war mein erster Segeltörn als Skipper — und rückblickend ein sehr ehrlicher. Die Route begann in Pula und führte über den Kvarner nach Cres, Martinšćica, Unije und Susak, bevor es wieder zurück nach Pula ging. Auf dem Papier war es ein kompakter Spätsommertörn durch die nördliche Adria. In Wirklichkeit wurde daraus eine dichte Lektion über Wetter, Reffentscheidungen, unklare Hafensituationen, müde Crews und das stille Gewicht von Verantwortung.

  • Route: Pula → Cres → Martinšćica → Unije → Susak → Pula
  • Charakter: erster Skipper-Törn, eine Mischung aus Übungstörn und wettergetriebener Route
  • Wichtigste Lektion: früh reffen, klar kommunizieren und Bora im Kvarner niemals unterschätzen
  • Anspruchsvollster Abschnitt: zu viel Vorsegel bei starker Bora westlich von Cres
  • Denkwürdigste Nacht: Ankern vor Unije nach Einbruch der Dunkelheit, danach Ankerwache
  • Gut zu wissen: Die Route wirkt auf der Karte einfach, aber Wetter, Müdigkeit und Hafenverfügbarkeit machten sie deutlich größer

Start in Marina Veruda

Die Bootsübernahme in der Marina Veruda war die erste echte Schwelle dieses Törns: Plötzlich wurde aus der Idee, Skipper zu sein, ein konkretes Boot, eine Checkliste und ein Liegeplatz in Pula. Carmen, eine Elan Impression 384, wirkte auf den ersten Blick geräumig und beruhigend, mit warmem Holz im Innenraum und genug Platz für eine kleine Crew. Doch die Details erzählten bereits eine etwas kompliziertere Geschichte. Manche Beschläge waren abgenutzt, die Gangway-Lösung wirkte eher improvisiert, und beim Check entdeckten wir kleine, aber aussagekräftige Mängel — von klemmenden Mastrutschern bis zu Ausrüstungsfragen, die eher mit mediterranem Schulterzucken als mit klarer Prozedur beantwortet wurden. Nichts davon war dramatisch genug, um den Törn abzubrechen. Aber es reichte, um das Boot real werden zu lassen: keine Prospektjacht, sondern ein Charterboot mit Geschichte, Eigenheiten und ein paar Warnzeichen zwischen poliertem Holz, Muringleinen und Cockpitbeschlägen.

Der Salon der Carmen beim Check-in in der Marina Veruda. Auf den ersten Blick wirkte die Elan Impression 384 geräumig und gepflegt – erst bei genauerem Hinsehen zeigten sich die kleinen Eigenheiten eines viel genutzten Charterbootes.
Improvisierte Reparatur an der Schiebeluke: Statt einer passenden Führung sorgte ein zurechtgeschnittenes Holzstück dafür, dass die Luke überhaupt geschlossen werden konnte.
Eine verschmorte 230-Volt-Steckdose an Bord. Vermutlich hatte ein früherer Crewmitglied einen Stecker unter Last gezogen oder eine schlechte Kontaktverbindung hatte zu Überhitzung geführt – ein Detail, das beim Sicherheitscheck auffiel.
Die Carmen längsseits am Steg der Marina Veruda kurz vor dem Ablegen. Von außen machte die Elan Impression 384 einen sehr gepflegten Eindruck und versprach eine spannende erste Woche als Skipper.

Pula nach Cres — Zuversicht trifft Wirklichkeit

Wir verließen Pula mit dem offenen Optimismus einer ersten selbst organisierten Charterwoche. Vor diesem Törn hatte ich bereits Erfahrung auf Jollen und als Crewmitglied auf mehreren Jachttörns in der Adria gesammelt, aber diesmal lag die Verantwortung zum ersten Mal offiziell bei mir. Der Plan war bewusst bescheiden: Richtung Cres segeln, an der Westseite der Insel Ankermanöver üben und langsam in den Rhythmus des Bootes finden.

Auf dem Weg südlich von Istrien passierten wir den Leuchtturm Porer und setzten unseren Kurs Richtung Cres fort. Der Wind ließ nach, die Sonne stand in einem ungünstigen Winkel, und das Cockpit verwandelte sich langsam in eine improvisierte Schattenkonstruktion aus Leintüchern aus den Kabinen und Wäscheklammern. Elegant war das nicht, aber es funktionierte — und es zeigte bereits den praktischen Geist des Törns: zuerst das unmittelbare Problem lösen, die Methode später verfeinern.

Die geplanten Ankerplätze auf Cres fühlten sich nicht richtig an. Eine Bucht war für unser damaliges Sicherheitsgefühl zu klein und zu nah an Felsen und Uferstrukturen. Die nächste war größer, dadurch aber auch offener, und bereits von einer Jacht mit Landleine belegt. Unsere eigenen Ankerversuche wollten sich nicht zu etwas Beruhigendem fügen. Als die Dämmerung näher rückte, war die bessere Entscheidung, die Experimente zu beenden und die ACI-Marina Cres anzulaufen.

Der Leuchtturm Porer markiert den südlichsten Punkt Istriens und war eines der ersten markanten Seezeichen unseres ersten Skippertörns – ab hier öffnete sich die Adria Richtung Cres und Kvarner.
Sonnenuntergang an Bord der Carmen auf dem Weg nach Cres. Zwischen ruhiger See und den letzten Sonnenstrahlen wirkte die Adria noch friedlich – bevor Wetter und Bora den Törn schon bald deutlich anspruchsvoller machen sollten.

Cres — sicherer Hafen und erzwungene Pause

Wir erreichten Cres nach Einbruch der Dunkelheit und legten achteraus mit Muring an. Das Manöver war nicht schön, aber es funktionierte. Der Radeffekt machte die Anfahrt schwieriger als erwartet, und daraus wurde eine jener frühen Lektionen, die bleiben: Das Boot bewegt sich vielleicht langsam, aber es ist niemals neutral.

Der nächste Tag brachte die Prognose, die wir nicht sehen wollten: starke Bora, kräftige Böen und unbeständiges Wetter. Wir blieben in der Marina, und das war die richtige Entscheidung. Das Boot war an mehreren Stellen undicht, Sprayhood und Bimini sammelten Regenwasser, und das teure Ölzeug bekam endlich seinen ersten echten Einsatz. Es war kein heroischer Segeltag, aber ein nützlicher Hafentag — andere Crews beobachten, Manöver ansehen und verstehen, wie schnell Wetter die Dimension jeder Entscheidung verändert.

Sonnenuntergang in der Hafenbucht von Cres. Nach den ersten Unsicherheiten des Törns wirkte der ruhige Abend beinahe trügerisch – die Bora sollte uns noch einige Zeit in der Marina festhalten.
Blick vom Bug der Carmen über die ACI Marina Cres. Dunkle Wolken kündigten den Bora-Tag an, an dem wir bewusst im sicheren Hafen blieben und das Wetter abzuwarten beschlossen.
Der kleine Stadthafen von Cres am frühen Abend. Fischerboote, Cafés und die pastellfarbenen Fassaden verleihen der historischen Hafenfront ihren besonderen Charme.
Die Uferpromenade von Cres mit Blick über den Stadthafen. Zwischen den alten Steinhäusern und den kleinen Booten wirkt die Stadt trotz ihrer Beliebtheit angenehm entspannt und einladend.

Cres nach Martinšćica — die harte Lektion

Als wir Cres verließen, war die Bora immer noch präsent. Das Großsegel war bereits im zweiten Reff, und die Genua war zunächst nur teilweise ausgerollt. Im Lee von Cres fühlte sich alles noch beherrschbar an, also öffneten wir das Vorsegel weiter. Eine Zeit lang segelte das Boot schnell und beeindruckend gut. Zu gut, eigentlich.

Als wir den stärker exponierten Kvarner-Windkanal erreichten, näherte sich Carmen der Rumpfgeschwindigkeit. Das Boot war noch unter Kontrolle, aber der Ruderdruck erzählte die ehrlichere Geschichte. Wir hatten zu lange zu viel Segel stehen. Die Genua zu reffen wurde dann zum kritischen Moment des gesamten Törns.

Der Versuch, das Boot unter Segeln in den Wind zu stellen, führte zu killendem Tuch, schlagenden Schoten, schwieriger Kommunikation und kaum Fortschritt. Das Vorsegel ließ sich unter Last nicht sauber einrollen. Schließlich nutzten wir den Motor, um den Bug im Wind zu halten, und bekamen die Genua unter Kontrolle. Nichts ging kaputt, niemand wurde verletzt, und die Situation war gelöst — aber das Gefühl, klein zu sein vor Wetter, Lärm und Kraft, blieb.

Danach fühlte sich der ursprüngliche Plan, weiter Richtung Unije zu segeln, nicht mehr sinnvoll an. Wir wählten stattdessen den nächstgelegenen vernünftigen Hafen: Martinšćica. Das war keine elegante strategische Entscheidung, aber es war die richtige Skipper-Entscheidung.

Martinšćica — Zuflucht mit unruhiger Nacht

Martinšćica wurde unser nächster Stopp, erreicht nach Arbeit gegen Wind und See. Die Hafensituation war nicht völlig klar, und wir verbrachten einige Zeit damit, vor dem Hafen Kreise zu drehen, bevor wir schließlich längsseits an der Außenmole festmachten. Das Hafenpersonal war der Meinung, dass der Liegeplatz für die Nacht passen würde. Ich war weniger überzeugt. Am Ende hatten beide Sichtweisen teilweise recht.

Das Boot lag sicher, aber nicht ruhig. Der Wind drückte uns gegen die Mole, und die Fender arbeiteten die ganze Nacht zwischen Rumpf und Stein. Ihr ständiges Knarzen wurde zum Soundtrack der Nacht und verfolgte mich sogar in meine Träume. Martinšćica selbst hinterließ trotzdem einen warmen Eindruck: ein kleiner Hafen, ein Restaurant direkt am Wasser und schöne Wege durch Bäume und Felsen zu ruhigen Stränden.

Am nächsten Tag nahmen wir bewusst Tempo heraus. Nach dem Druck des vorherigen Schlags waren Frühstück, ein Spaziergang und ein kleiner Badestopp wichtiger als das Abhaken von Seemeilen. Die Ruhe hielt allerdings nicht ewig: Als die Fähre sich ankündigte, mussten wir die Mole hastig verlassen. Das Ablegen war überstürzt, aber erfolgreich — eine weitere kleine Lektion darin, warum Hafenpläne nie auf Wunschruhe bauen sollten.

Die Hafenpromenade von Martinšćica am Nachmittag. Der kleine Ort wirkte ruhig und entschleunigt – genau der richtige Platz, um nach den anspruchsvollen Bedingungen auf See einmal durchzuatmen.
Abendliche Stimmung am Hafen: Eine Crew feierte ausgelassen mit Musik und bunter Beleuchtung an Bord, während ringsum die übrigen Boote bereits zur Nachtruhe übergingen.
Blick aus dem Restaurant über die glasklare Bucht von Martinšćica. Das ruhige Wasser und die umliegenden Inseln bildeten einen starken Kontrast zur Bora, die uns am Vortag noch gefordert hatte.
Ćevapčići mit Pommes – ein einfaches, aber willkommenes Abendessen direkt am Hafen von Martinšćica nach einem langen Segeltag.

Wanderung von Martinšćica aus

Am nächsten Tag gingen wir von Martinšćica aus ein Stück nach Westen Richtung Uvala Slatina, etwa zwei Kilometer entlang der Küste und durch die trockene, helle Landschaft von Cres. Der Weg führte erst oberhalb des Ortes entlang, mit Blick zurück auf Hafen, Boote und die ruhige Bucht, dann durch Pinien, niedrige Steinmauern, Macchia und felsige Pfade hinunter zum Meer. Nach der angespannten Bora-Etappe vom Vortag war diese kleine Wanderung genau richtig: kein großes Programm, kein nautischer Anspruch, nur staubige Wege, heißer Stein, Schatten unter Bäumen und immer wieder dieses fast unwirklich klare Wasser unterhalb der Küste. Martinšćica wirkte dadurch nicht nur wie ein sicherer Hafen, sondern auch wie ein Ort, an dem der Törn kurz Luft holen durfte.

Blick oberhalb von Martinšćica zurück auf den Hafen. Von hier wird gut sichtbar, wie geschützt der kleine Ort in seiner Bucht liegt – eingerahmt von den kargen Hügeln der Insel Cres.
Der schmale Wanderweg Richtung Uvala Slatina führt durch Pinienwald, Trockenmauern und mediterrane Macchia. Ein ruhiger Pfad, der sich deutlich ursprünglicher anfühlt als die wenigen Straßen der Umgebung.
Vom Küstenweg öffnet sich der Blick auf das tiefblaue Wasser der Adria. Abseits des Hafens wirkt die Landschaft nahezu unberührt und zeigt den wilden Charakter der Westküste von Cres.
Die felsige Küste bei Uvala Slatina mit kristallklarem Wasser und einem einzelnen vor Anker liegenden Boot. Ein stiller Ort, der sich hervorragend für eine Pause oder ein Bad fernab des Trubels eignet.

Nachtfahrt nach Unije

Von Martinšćica ging es weiter Richtung Unije, zunächst teilweise unter Segeln und später überwiegend unter Motor. Die Ankunft erfolgte nach Einbruch der Dunkelheit. Der Hafen befand sich im Umbau, verfügbare Liegeplätze waren unklar, und ein versenkter Betonblock im Hafenbecken machte die Situation nicht einladender. Mehrere Boote ankerten im flachen südwestlichen Teil der Bucht, während nur wenige weiter draußen an der östlichen Seite lagen.

Nachdem wir einige Zeit gekreist waren und versucht hatten, die Situation in der Dunkelheit zu verstehen, ankerten wir an der östlichen Seite der Bucht. Der Anker fasste beim ersten Versuch sauber, was eine Erleichterung war. Trotzdem fühlte sich die Nacht nicht völlig entspannt an: Die Kette hatte keine verlässlichen Längenmarkierungen, der Mobilfunkempfang war schlecht, und eine Winddrehung hätte die Geometrie des Ankerplatzes deutlich verändern können.

Eine Ankerwache wurde eingerichtet. Glamourös war das nicht, aber es war Seemannschaft. Der nächste Morgen kam früh und wenig erholsam — aber das Boot war sicher, der Anker hatte gehalten, und die Route konnte weitergehen.

Unije nach Susak und zurück nach Pula

Mit aktualisierten Wetterinformationen steuerten wir Susak an. Die Idee war bescheiden: kurz anlegen, essen, vielleicht einen kleinen Spaziergang machen und dann weiter zurück Richtung Pula, bevor stärkere Jugo-Bedingungen zum Problem würden. Wie so oft auf diesem Törn traf der Plan auf die Hafenrealität.

Die Hafensituation in Susak war eng, stellenweise flach und stark von lokalen Anweisungen geprägt. Wir bereiteten uns zunächst auf eine Liegeplatzoption vor, wurden dann umdirigiert, bauten Leinen und Fender um und verstanden schließlich, dass daraus nicht der entspannte Inselstopp werden würde, den wir uns vorgestellt hatten. Die Entscheidung fiel, weiterzufahren, statt einen Aufenthalt zu erzwingen, der sich bereits unangenehm anfühlte.

Der letzte Schlag zurück nach Pula schloss den Kreis dieses Törns. Der Entfernung nach war es nur ein 107-Seemeilen-Törn durch die obere Adria und den Kvarner. Der Erfahrung nach war es deutlich mehr: die erste echte Woche in Verantwortung, mit all den kleinen Zweifeln, Fehlern, Entscheidungen, Erholungen und leisen Momenten des Stolzes, die dazugehören, wenn man beginnt, Verantwortung für ein Boot zu übernehmen.

Rückblickend ging es bei dieser Route weniger darum, Ziele abzuhaken, als darum, das Ausmaß von Verantwortung zu lernen. Pula, Cres, Martinšćica, Unije und Susak wurden mehr als Ortsnamen — sie wurden Markierungen auf der Lernkurve eines ersten Skippers.

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