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Plant Knowledge

🍅 Tomate · Paradeiser · Solanum lycopersicum

Tomaten sind wärmeliebende, frostempfindliche Pflanzen, die in Mitteleuropa meist einjährig kultiviert werden. Sie benötigen viel Licht, gleichmäßige Feuchtigkeit, ausreichend Nährstoffe und je nach Wuchstyp eine konsequente Führung.

Die wichtigste Unterscheidung betrifft ihre Wuchsform: Stabtomaten wachsen während der gesamten Saison weiter, Buschtomaten beenden ihr Höhenwachstum nach einer bestimmten Zahl von Blütenständen.

Nicht jede Tomate wird ausgegeizt. Bei Stabtomaten ist das meist sinnvoll, bei Buschtomaten entfernt man damit schnell einen erheblichen Teil der späteren Ernte.

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Schnellübersicht

Die wichtigsten Anforderungen auf einen Blick

Grundbedingungen für gesunde und ertragreiche Tomaten
Bereich Empfehlung
Standort Warm, sonnig, luftig und möglichst regengeschützt. Mindestens sechs, besser acht Stunden direktes Licht.
Temperatur Frostempfindlich. Erst dauerhaft ins Freie stellen, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind.
Boden Tiefgründig, humos, nährstoffreich, locker und gut drainiert.
pH-Wert Leicht sauer bis neutral, ungefähr pH 6,0–7,0.
Wasser Gleichmäßig feucht halten. Starke Wechsel zwischen Trockenheit und Überwässerung vermeiden.
Düngung Nach dem Anwachsen zunächst ausgewogen, ab dem ersten Fruchtansatz regelmäßig kaliumbetont düngen.
Topfgröße Mindestens etwa 20 Liter pro Pflanze, für kräftige Stabtomaten besser 30–40 Liter.
Stütze Stabtomaten brauchen einen stabilen Stab, eine Schnur oder ein Spalier. Auch Buschtomaten profitieren von einem Käfig oder einer niedrigen Stütze.
Ausgeizen Vor allem bei eintriebig geführten Stabtomaten. Buschtomaten grundsätzlich nicht regelmäßig ausgeizen.
Ernte Je nach Sorte, Aussaat und Standort meist von Juli bis zum ersten Frost.

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Inhalt

  1. Wuchsformen verstehen
  2. Aussaat und Keimung
  3. Pikieren und Jungpflanzen
  4. Abhärten und Auspflanzen
  5. Lage, Sonne und Klima
  6. Erde und Pflanzung
  7. Gießen und Mulchen
  8. Nährstoffe und Düngung
  9. Stützen, ausgeizen und schneiden
  10. Blüte und Bestäubung
  11. Reife und Ernte
  12. Tomaten im Topf
  13. Regen, Hitze und Kälte
  14. Krankheiten und Schädlinge
  15. Physiologische Störungen
  16. Fruchtfolge und Hygiene
  17. Pflegekalender
  18. Probleme erkennen
  19. Saatgut gewinnen
  20. Kurzcheck

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1. Wuchsformen verstehen

Stabtomaten

Stabtomaten wachsen indeterminiert. Ihre Haupttriebe verlängern sich während der gesamten Vegetationsperiode weiter und bilden fortlaufend neue Blätter, Seitentriebe, Blütenstände und Früchte.

Sie können je nach Sorte deutlich über zwei Meter hoch werden und müssen zuverlässig gestützt werden.

Stabtomaten werden meist ein- oder zweitriebig gezogen. Dabei entfernt man regelmäßig einen Großteil der Seitentriebe aus den Blattachseln.

Buschtomaten

Buschtomaten wachsen determiniert. Ihre Triebe beenden ihr Wachstum nach einer genetisch festgelegten Zahl von Blütenständen.

Sie bleiben kompakter, verzweigen sich stärker und bilden einen großen Teil ihrer Früchte innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums.

Buschtomaten werden normalerweise nicht regelmäßig ausgegeizt. Die Seitentriebe sind Teil ihres natürlichen Ertragsaufbaus.

Zwerg- und Balkontomaten

Zwergtomaten sind besonders kompakte Sorten für kleine Gefäße, Fensterbänke und Balkone. Sie brauchen weniger Platz, liefern aber naturgemäß eine kleinere Gesamternte.

Vor der Pflege kommt das Sortenschild. Wer den Wuchstyp nicht kennt, sollte zunächst beobachten, statt vorsorglich alles wegzuknipsen, was seitlich wächst.

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2. Aussaat und Keimung

Für den Anbau im Freiland oder auf dem Balkon werden Tomaten in Mitteleuropa meist zwischen Ende Februar und Ende März im Haus ausgesät.

Eine sehr frühe Aussaat lohnt sich nur, wenn ausreichend Pflanzenlicht und genügend Platz vorhanden sind. Zu früh ausgesäte Tomaten werden auf einer dunklen Fensterbank lang, dünn und instabil.

Aussaat vorbereiten

Keimtemperatur

Bei ungefähr 20–25 °C keimen Tomatensamen meist innerhalb weniger Tage bis etwa zwei Wochen.

Sobald die Keimlinge sichtbar sind, sollten sie sehr hell und etwas kühler stehen. Zu viel Wärme bei zu wenig Licht führt zu weichem, übermäßig gestrecktem Wachstum.

Feuchtigkeit

Die Erde bleibt während der Keimung gleichmäßig feucht, darf jedoch nicht dauerhaft nass sein. Geschlossene Abdeckungen werden täglich gelüftet und nach der Keimung entfernt.

Wärme bringt den Samen zum Keimen. Licht macht aus dem Keimling eine brauchbare Pflanze. Das sind zwei verschiedene Aufgaben.

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3. Pikieren und Jungpflanzen

Sobald nach den beiden Keimblättern das erste oder zweite echte Blattpaar erscheint, werden dicht stehende Sämlinge in einzelne Töpfe gesetzt.

Richtig pikieren

  1. Erde vor dem Pikieren leicht anfeuchten.
  2. Sämling vorsichtig an einem Keimblatt anfassen.
  3. Wurzeln mit einem Pikierstab oder Löffel aus der Erde heben.
  4. Pflanze tiefer als zuvor in den neuen Topf setzen.
  5. Erde vorsichtig andrücken und maßvoll angießen.

Tomaten können am eingegrabenen Stängel zusätzliche Wurzeln bilden. Lang gewachsene Jungpflanzen dürfen daher bis knapp unter die ersten Blätter tiefer gesetzt werden.

Licht

Jungpflanzen brauchen sehr viel Licht. Ein heller Südfensterplatz ist günstig, in lichtarmen Wochen kann zusätzliches Pflanzenlicht notwendig sein.

Die Pflanzen sollten regelmäßig gedreht werden, damit sie nicht einseitig zum Fenster wachsen.

Düngung der Jungpflanzen

Frisch pikierte Pflanzen werden nicht sofort stark gedüngt. Sobald sie sichtbar weiterwachsen und die Nährstoffe der Erde verbrauchen, kann schwach dosiert mit einem ausgewogenen Dünger begonnen werden.

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4. Abhärten und Auspflanzen

Im Haus vorgezogene Tomaten sind weder direktes Sonnenlicht noch Wind oder starke Temperaturschwankungen gewohnt.

Sie werden deshalb über ungefähr ein bis zwei Wochen schrittweise an die Außenbedingungen gewöhnt.

Abhärtung

Zeitpunkt des Auspflanzens

Tomaten dürfen erst dauerhaft ins Freie, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. In vielen Regionen Österreichs liegt dieser Zeitpunkt ungefähr ab Mitte Mai.

Auch ohne Frost können sehr kalte Nächte das Wachstum deutlich bremsen. Bei länger anhaltenden Temperaturen unter ungefähr 8–10 °C sollten junge Pflanzen noch geschützt werden.

Tiefer setzen

Beim Pflanzen darf der untere Teil des Stängels eingegraben werden. An diesem Abschnitt entstehen zusätzliche Wurzeln, wodurch die Pflanze stabiler wird und mehr Wasser aufnehmen kann.

Sehr lange Jungpflanzen können leicht schräg in eine flache Pflanzrinne gelegt werden. Die Triebspitze richtet sich innerhalb kurzer Zeit wieder auf.

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5. Lage, Sonne und Klima

Sonne

Tomaten benötigen einen sehr hellen Standort. Mindestens sechs, besser acht Stunden direkte Sonne pro Tag fördern kräftiges Wachstum, Blütenbildung und Fruchtreife.

In lichtarmem Halbschatten wachsen die Pflanzen häufig weich, bilden weniger Blüten und lassen ihre Früchte langsamer reifen.

Wärme

Tomaten lieben Wärme, aber keine grenzenlose Hitze. Bei sehr hohen Temperaturen kann die Bestäubung beeinträchtigt werden, Blüten können abfallen und Früchte Sonnenbrand entwickeln.

An extrem heißen Standorten ist leichter Schatten während der intensivsten Nachmittagssonne sinnvoll.

Wind

Leichte Luftbewegung stärkt die Pflanzen und lässt Blätter rasch abtrocknen. Starker Wind kann jedoch Triebe abbrechen, Blüten beschädigen und Topfpflanzen sehr schnell austrocknen.

Regenschutz

Ein durchsichtiges Dach oder ein geschützter Balkon verringert die Dauer, während der Blätter nass bleiben. Dadurch sinkt das Risiko verschiedener Pilzkrankheiten.

Ein Regendach darf die Pflanze nicht vollständig einschließen. Seitlich muss ausreichend Luft zirkulieren können.

Regenschutz bedeutet: trocken von oben, luftig von der Seite. Ein feuchtwarmes Plastikzelt ist kein Schutz, sondern ein Pilzseminar.

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6. Erde und Pflanzung

Geeigneter Boden

Tomaten bevorzugen einen lockeren, tiefgründigen, nährstoffreichen und humosen Boden, der Wasser speichern kann, ohne dauerhaft nass zu bleiben.

Boden vorbereiten

Pflanzabstand

Je nach Sorte und Führung sind ungefähr 50–80 cm Abstand zwischen den Pflanzen sinnvoll. Sehr kräftige oder mehrtriebig gezogene Sorten benötigen entsprechend mehr Raum.

Zu dicht gepflanzte Tomaten trocknen langsamer ab, beschatten einander und sind schwieriger zu pflegen.

Direkt nach der Pflanzung

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7. Gießen und Mulchen

Tomaten reagieren empfindlich auf starke Schwankungen der Bodenfeuchtigkeit. Längere Trockenheit gefolgt von sehr viel Wasser begünstigt aufgeplatzte Früchte und Blütenendfäule.

Richtig gießen

Die obere Erdschicht darf zwischen den Wassergaben leicht abtrocknen. Der gesamte Wurzelballen sollte jedoch nicht vollständig austrocknen.

Tomaten im Topf

Große Topfpflanzen können an heißen Sommertagen täglich oder sogar zweimal täglich Wasser benötigen. Entscheidend ist nicht ein starrer Zeitplan, sondern die tatsächliche Feuchtigkeit im Wurzelballen.

Mulchen

Eine Mulchschicht aus Stroh, Grasschnitt, Laubkompost oder anderem geeignetem organischem Material hält die Erde gleichmäßiger feucht und reduziert Spritzwasser.

Der Mulch sollte nicht direkt am Stängel anliegen, damit dieser gut abtrocknen kann.

Blütenendfäule wird meist nicht durch fehlende Eierschalen verhindert. Häufiger fehlt der Frucht nicht Calcium im Boden, sondern eine gleichmäßige Wasserversorgung, die es überhaupt dorthin transportiert.

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8. Nährstoffe und Düngung

Tomaten haben während ihrer langen Wachstums- und Fruchtperiode einen hohen Nährstoffbedarf. Überdüngung ist dennoch ebenso problematisch wie Nährstoffmangel.

Stickstoff

Stickstoff fördert Blatt- und Triebwachstum. Zu viel Stickstoff führt zu großen, dunkelgrünen Pflanzen mit weichem Gewebe und vergleichsweise wenigen Blüten.

Kalium

Kalium unterstützt Blütenbildung, Fruchtentwicklung, Wasserhaushalt und Geschmack. Tomatendünger ist daher während der Fruchtphase meist kaliumbetont.

Phosphor

Phosphor ist für Wurzelentwicklung und Energiehaushalt wichtig. Ein zusätzlicher Überschuss bringt jedoch keinen Vorteil und kann die Aufnahme anderer Nährstoffe beeinträchtigen.

Düngung im Beet

Vor der Pflanzung wird reifer Kompost eingearbeitet. Nach dem Anwachsen kann bei Bedarf ein ausgewogener organischer oder mineralischer Dünger gegeben werden.

Sobald die ersten Früchte angesetzt haben, wird auf einen kaliumbetonten Tomaten- oder Gemüsedünger umgestellt.

Düngung im Topf

In Kübeln werden Nährstoffe schneller verbraucht und mit dem Gießwasser ausgewaschen. Ab dem ersten Fruchtansatz wird deshalb meist alle ein bis zwei Wochen nach Herstellerangabe flüssig gedüngt.

Alternativ kann zu Beginn ein geeigneter Langzeitdünger verwendet werden. Langzeit- und Flüssigdünger dürfen nicht gedankenlos in voller Dosierung kombiniert werden.

Überdüngung erkennen

Eine große Tomatenpflanze ist nicht automatisch eine gute Tomatenpflanze. Das Ziel sind Früchte, nicht ein besonders imposanter Kompostlieferant.

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9. Stützen, ausgeizen und schneiden

Stützen

Tomaten werden frühzeitig an stabilen Stäben, Spiralstäben, Schnüren, Gittern oder Käfigen befestigt.

Bindematerial muss breit und weich sein. Die Schlaufen bleiben locker, damit sie den dicker werdenden Stängel nicht einschnüren.

Was bedeutet ausgeizen?

Geiztriebe entstehen in den Blattachseln zwischen Hauptstängel und Blatt. Bei eintriebig geführten Stabtomaten werden sie regelmäßig entfernt.

Junge Geiztriebe lassen sich vorsichtig mit den Fingern ausbrechen. Größere Triebe werden mit einer sauberen Schere entfernt, um den Hauptstängel nicht aufzureißen.

Stabtomaten

Buschtomaten

Buschtomaten werden grundsätzlich nicht konsequent ausgegeizt. Ihre Seitentriebe tragen einen wesentlichen Teil der Blüten und Früchte.

Entfernt werden lediglich beschädigte, kranke oder stark am Boden liegende Triebe.

Untere Blätter entfernen

Blätter, die dauerhaft die Erde berühren, vergilben oder deutlich krank sind, können entfernt werden. Dadurch verbessert sich die Luftzirkulation im unteren Bereich.

Übermäßiges Entblättern ist kontraproduktiv. Die Pflanze benötigt ihre gesunden Blätter für Photosynthese, Fruchtwachstum und Sonnenschutz.

Entspitzen

Bei Stabtomaten kann der Haupttrieb im Spätsommer oberhalb des letzten gewünschten Blütenstandes gekappt werden.

Oberhalb des letzten Fruchtstandes sollten noch zwei bis drei gesunde Blätter erhalten bleiben. Die Pflanze investiert dann weniger Energie in neue Blüten, die vor dem Herbst ohnehin kaum mehr ausreifen würden.

Ausgeizen ist kein moralisches Gebot. Es ist eine Führungsmethode für bestimmte Wuchstypen.

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10. Blüte und Bestäubung

Tomaten sind grundsätzlich selbstfruchtbar. Jede Blüte enthält männliche und weibliche Blütenorgane.

Für eine gute Bestäubung muss der Pollen innerhalb der Blüte bewegt werden. Im Freiland übernehmen Wind und Insekten einen großen Teil dieser Arbeit.

Bestäubung im Gewächshaus

In geschützten, windstillen Bereichen können Blütenstände während trockener Stunden vorsichtig geschüttelt oder angetippt werden.

Gute Lüftung ist auch hier wichtig. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit kann den Pollen verklumpen lassen, extreme Trockenheit kann seine Keimfähigkeit mindern.

Blüten fallen ab

Blütenabwurf kann durch sehr hohe oder niedrige Temperaturen, Wassermangel, übermäßige Stickstoffdüngung, schlechte Bestäubung oder starken Stress verursacht werden.

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11. Reife und Ernte

Tomaten werden geerntet, sobald sie ihre sortentypische Farbe erreicht haben, leicht nachgeben und sich ihr Aroma deutlich entwickelt hat.

Nicht alle reifen Tomaten werden rot. Je nach Sorte können reife Früchte gelb, orange, rosa, violett, braun, grün gestreift oder nahezu schwarz erscheinen.

Reifestufen

Richtig ernten

Grüne Tomaten im Herbst

Vor dem ersten Frost werden noch gesunde, bereits ausgewachsene Früchte geerntet. Sie können an einem warmen Ort nachreifen.

Licht ist zum Nachreifen nicht zwingend notwendig. Wärme und das Reifegas Ethylen sind entscheidender.

Eine reife Banane oder ein Apfel in der Nähe kann die Reifung beschleunigen.

Vollreif schmeckt besser. Vor dem ersten Frost ist eine nachgereifte Tomate dennoch zweifellos besser als eine gefrorene.

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12. Tomaten im Topf und auf dem Balkon

Tomaten lassen sich sehr gut in Gefäßen kultivieren, wenn Topfvolumen, Wasser- und Nährstoffversorgung zur Sorte passen.

Topfgröße

Für eine normal wachsende Tomatenpflanze sollte das Gefäß mindestens ungefähr 20 Liter fassen.

Kräftige Stab- und Fleischtomaten profitieren deutlich von 30–40 Litern oder mehr. Kleine Busch- und Zwergsorten kommen mit weniger Volumen aus.

Drainage

Substrat

Verwendet wird eine hochwertige, strukturstabile Gemüse- oder Kübelpflanzenerde. Reifer Kompost kann beigemischt werden.

Sehr leichte Erde trocknet rasch aus und kann bei großen Pflanzen zusammensacken. Mineralische Bestandteile wie Bims oder Perlit verbessern Struktur und Luftführung.

Standfestigkeit

Hohe Tomaten wirken im Wind wie Segel. Topf und Stütze müssen deshalb ausreichend schwer und stabil sein.

Die Stütze wird möglichst im Gefäß selbst verankert oder sicher an Balkon, Wand oder Dachkonstruktion befestigt.

Bewässerung

Kübeltomaten trocknen deutlich schneller aus als Pflanzen im Beet. Bei Hitze wird die Erdfeuchtigkeit täglich kontrolliert.

Automatische Bewässerung, Tropfschläuche oder Wasserspeichergefäße können starke Feuchtigkeitsschwankungen reduzieren.

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13. Regen, Hitze und Kälte

Dauerregen

Langanhaltende Blattnässe fördert insbesondere die Ausbreitung von Kraut- und Braunfäule. Ein Regendach und ausreichender Pflanzabstand senken das Risiko.

Starkregen

Plötzliche große Wassermengen nach einer trockenen Phase können Früchte aufplatzen lassen. Reife Früchte sollten daher vor angekündigtem Starkregen geerntet werden.

Hitze

Kälte

Junge Tomaten stellen bei kalten Nächten ihr Wachstum ein und können deutliche Blattverfärbungen entwickeln.

Bei angekündigtem Frost müssen Topfpflanzen geschützt oder vorübergehend ins Haus gestellt werden. Ausgepflanzte Tomaten können mit Vlies abgedeckt werden.

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14. Krankheiten und Schädlinge

Kraut- und Braunfäule

Kraut- und Braunfäule verursacht zunächst graugrüne bis braune Flecken an Blättern und Stängeln. Später werden auch die Früchte braun und festfaul.

Die Krankheit breitet sich besonders bei feuchtem, mildem Wetter rasch aus.

Dürrfleckenkrankheit

Typisch sind braune Blattflecken mit konzentrischen Ringen. Die Erkrankung beginnt häufig an älteren, unteren Blättern.

Grauschimmel

Grauschimmel tritt besonders in feuchten, schlecht gelüfteten Beständen auf. Verletzte Stängel, abgestorbene Blätter und Blütenreste bieten Eintrittsstellen.

Blattläuse

Blattläuse sitzen meist an jungen Trieben und Blattunterseiten. Sie verursachen eingerollte Blätter und klebrigen Honigtau.

Weiße Fliege

Weiße Fliegen treten besonders im Gewächshaus und auf geschützten Balkonen auf. Beim Berühren der Pflanze fliegen kleine weiße Insekten auf.

Spinnmilben

Feine Sprenkel, bronzefarbene Blätter und zarte Gespinste deuten auf Spinnmilben hin. Sie lieben warme, trockene und windstille Bedingungen.

Schnecken

Schnecken fressen Jungpflanzen, bodennahe Blätter und reife Früchte. Pflanzen sollten aufrecht gestützt und der Bodenbereich regelmäßig kontrolliert werden.

Vorbeugung

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15. Physiologische Störungen

Nicht jedes Schadbild wird von Pilzen, Bakterien oder Tieren verursacht. Viele Tomatenprobleme entstehen durch Wetter, Bewässerung oder Nährstoffungleichgewichte.

Blütenendfäule

Am unteren Ende der Frucht entsteht ein dunkler, eingesunkener Fleck. Ursache ist eine lokale Calciumunterversorgung im wachsenden Fruchtgewebe.

Meist ist genügend Calcium im Boden vorhanden. Das eigentliche Problem ist eine gestörte Aufnahme durch ungleichmäßige Bodenfeuchtigkeit, beschädigte Wurzeln oder eine zu hohe Salzkonzentration.

Aufgeplatzte Früchte

Risse entstehen häufig, wenn die Pflanze nach einer trockenen Phase plötzlich sehr viel Wasser aufnimmt und die Fruchthaut dem schnellen Wachstum nicht folgen kann.

Grünkragen

Der Bereich rund um den Stiel bleibt hart, grün oder gelblich, obwohl der Rest der Frucht reif ist. Starke Hitze, intensive Sonne, Kaliumungleichgewichte und die Sortenwahl können dazu beitragen.

Sonnenbrand

Helle, später papierartig eingesunkene Stellen entstehen, wenn Früchte plötzlich intensiver Sonne ausgesetzt sind.

Deshalb sollten Tomaten nicht unnötig stark entblättert werden.

Blattrollen

Gleichmäßig eingerollte Blätter können eine harmlose Reaktion auf Hitze, Trockenheit, starken Rückschnitt oder Wurzelstress sein.

Sind zusätzlich Flecken, Vergilbungen oder Wachstumsstörungen sichtbar, muss genauer auf Krankheiten oder Schädlinge geprüft werden.

Verformte Früchte

Stark gefurchte oder narbig verformte Früchte können nach kaltem Wetter während der Blütenentwicklung entstehen. Großfrüchtige Sorten sind häufiger betroffen.

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16. Fruchtfolge und Hygiene

Tomaten gehören zu den Nachtschattengewächsen. Zur selben Familie zählen unter anderem Paprika, Chili, Auberginen und Kartoffeln.

Im Beet sollten Nachtschattengewächse nicht über Jahre hinweg ohne Unterbrechung am selben Platz wachsen. Eine Pause von ungefähr drei bis vier Jahren verringert die Anreicherung verschiedener bodenbürtiger Krankheitserreger.

Topferde

Alte Erde aus Gefäßen wird nicht ungeprüft erneut für Tomaten verwendet. War die Pflanze krank, wird das Substrat nicht für andere Nachtschattengewächse eingesetzt.

Saisonende

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17. Pflegekalender

Die Zeitpunkte verschieben sich je nach Sorte, Wetter und Standort.

Tomaten durch das Gartenjahr
Zeitraum Arbeiten
Jänner Sorten auswählen, Saatgut prüfen und Anzuchtmaterial vorbereiten. Für normale Freilandkultur noch nicht säen.
Februar Bei sehr guten Lichtbedingungen mit früher Aussaat beginnen. Sonst bis März warten.
März Hauptaussaatzeit. Keimlinge sehr hell stellen und nach Bildung echter Blätter pikieren.
April Jungpflanzen umtopfen, schwach düngen und an milden Tagen schrittweise abhärten.
Mai Nach Ende der Frostgefahr auspflanzen. Tief setzen, angießen, mulchen und sofort stützen.
Juni Stabtomaten regelmäßig anbinden und ausgeizen. Mit kaliumbetonter Düngung beginnen, sobald Früchte ansetzen.
Juli Gleichmäßig gießen, düngen, untere kranke Blätter entfernen und erste Früchte ernten.
August Hauptreifezeit. Regelmäßig ernten und Stabtomaten bei Bedarf entspitzen.
September Reife Früchte laufend ernten, neue Blüten gegebenenfalls entfernen und Pflanze vor kalten Nächten schützen.
Oktober Vor dem ersten Frost alle verwertbaren Früchte ernten. Gesunde grüne Früchte im Haus nachreifen lassen.
November Pflanzenreste entfernen, Töpfe und Stützen reinigen und kranke Erde austauschen.
Dezember Anbau dokumentieren, erfolgreiche Sorten notieren und Saatgut trocken und kühl lagern.

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18. Häufige Probleme erkennen

Symptome, mögliche Ursachen und erste Maßnahmen
Beobachtung Mögliche Ursache und Maßnahme
Lange, dünne und blasse Jungpflanzen Zu wenig Licht bei zu hoher Temperatur. Heller und etwas kühler stellen, später tiefer umtopfen.
Untere Blätter werden gelb Alterung, Stickstoffmangel, Staunässe oder beginnende Erkrankung. Verlauf und Blattzeichnung beobachten.
Junge Blätter gelb, Adern bleiben grün Möglicher Eisenmangel durch hohen pH-Wert, Wurzelschaden oder Staunässe.
Dunkle, eingerollte Blätter Mögliche Überdüngung mit Stickstoff oder Salzstress. Düngung pausieren und Wasserabzug prüfen.
Blüten fallen ohne Fruchtansatz ab Hitze, Kälte, Trockenstress, schlechte Bestäubung oder zu viel Stickstoff.
Schwarzer Fleck am unteren Fruchtende Blütenendfäule. Bodenfeuchtigkeit stabilisieren, Überdüngung und Wurzelschäden vermeiden.
Früchte platzen auf Starke Feuchtigkeitsschwankung. Gleichmäßiger gießen und reife Früchte vor Starkregen ernten.
Helle, papierartige Flecken auf Früchten Sonnenbrand. Nicht übermäßig entblättern und bei extremer Hitze leicht schattieren.
Braune Flecken an Blättern und Früchten Verdacht auf Kraut- und Braunfäule. Befallene Teile entfernen, Blätter trocken halten und Bestand belüften.
Feine helle Sprenkel und Gespinste Wahrscheinlicher Spinnmilbenbefall. Blattunterseiten kontrollieren und frühzeitig behandeln.
Pflanze welkt trotz nasser Erde Sauerstoffmangel, Wurzelfäule oder Leitungsbahnerkrankung. Wasserabzug und Wurzeln prüfen.
Viel Blattmasse, wenige Früchte Zu viel Stickstoff, zu wenig Licht oder unpassende Schnittführung.

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19. Saatgut gewinnen

Samenfeste Tomatensorten können über eigenes Saatgut vermehrt werden. Bei F1-Hybriden entsprechen die Nachkommen meist nicht zuverlässig der ursprünglichen Sorte.

Samen entnehmen

  1. vollreife, gesunde und sortentypische Frucht auswählen
  2. Samen samt gelartiger Hülle aus der Frucht lösen
  3. in ein kleines Gefäß mit etwas Wasser geben
  4. einige Tage leicht fermentieren lassen
  5. Samen gründlich abspülen
  6. vollständig trocknen lassen
  7. trocken, dunkel und kühl lagern

Wachsen mehrere Sorten unmittelbar nebeneinander, kann es trotz überwiegender Selbstbestäubung gelegentlich zu Kreuzungen kommen.

Das Saatgut einer hervorragenden Tomate bewahrt ihre Genetik. Das Wetter des nächsten Sommers bleibt davon unbeeindruckt.

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20. Kurzcheck für gesunde Tomaten

Tomaten verlangen Aufmerksamkeit, aber keine tägliche Dramaturgie: viel Licht, gleichmäßiges Wasser, vernünftige Düngung und die passende Führung für den jeweiligen Wuchstyp.

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Sources & further reading

General cultivation, watering and plant-health references

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