Plant Knowledge
Die Tabakpflanze ist ein schnell wachsendes, frostempfindliches Nachtschattengewächs mit großen, weichen Blättern und röhrenförmigen Blüten.
In Mitteleuropa wird sie meist einjährig kultiviert. Abhängig von Sorte, Standort und Pflege kann sie innerhalb einer Saison deutlich über zwei Meter hoch werden.
Neben dem großblättrigen Kulturtabak gibt es verschiedene Ziertabakarten und -hybriden, die vor allem wegen ihrer oft duftenden weißen, rosafarbenen, roten, grünen oder gelblichen Blüten angebaut werden.
Tabak ist botanisch interessant, aber keine harmlose Salatpflanze. Alle Teile werden außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren gehalten, und besonders feuchte Blätter werden nur mit geeigneter Schutzkleidung angefasst.
Schnellübersicht
| Bereich | Empfehlung |
|---|---|
| Standort | Sonnig bis leicht halbschattig, warm, luftig und möglichst vor starkem Wind geschützt. |
| Temperatur | Wärmeliebend und frostempfindlich. Erst nach Ende der Nachtfrostgefahr dauerhaft ins Freie pflanzen. |
| Boden | Humos, nährstoffreich, gleichmäßig feucht und gut drainiert. |
| pH-Wert | Leicht sauer bis neutral, ungefähr pH 5,8–7,0. |
| Aussaat | Im Frühjahr im Haus vorziehen. Die sehr feinen Samen sind Lichtkeimer und werden nur auf das Substrat gedrückt. |
| Keimtemperatur | Ungefähr 18–24 °C bei gleichmäßiger Feuchtigkeit und sehr hellem Standort. |
| Pflanzabstand | Je nach Art und Sorte ungefähr 40–90 cm. Großblättriger Kulturtabak braucht besonders viel Raum. |
| Wasser | Gleichmäßig feucht halten, aber Staunässe vermeiden. Große Pflanzen verbrauchen im Sommer viel Wasser. |
| Düngung | Regelmäßig, aber kontrolliert düngen. Zu viel Stickstoff erzeugt weiches Wachstum und kann die Blüte verzögern. |
| Stütze | Hohe Sorten bei windiger Lage mit einem stabilen Stab oder mehreren Schnüren sichern. |
| Blüte | Je nach Art und Aussaat meist von Sommer bis Herbst. Viele Ziertabake duften besonders am Abend. |
| Topfkultur | Großes, standfestes Gefäß mit freiem Wasserabzug. Für Nicotiana tabacum mindestens etwa 30–40 Liter einplanen. |
| Sicherheit | Nicht essen. Hautkontakt möglichst vermeiden. Beim Umgang mit feuchten Blättern Handschuhe, lange Kleidung und trockene Arbeitsbedingungen nutzen. |
Inhalt
- Kulturtabak und Ziertabak
- Wuchs und Lebensweise
- Aussaat und Keimung
- Pikieren und Jungpflanzen
- Abhärten und Auspflanzen
- Lage, Licht und Wärme
- Erde und Pflanzung
- Gießen und Mulchen
- Nährstoffe und Düngung
- Tabak im Topf
- Stützen und zurückschneiden
- Blüte und Bestäubung
- Saatgut gewinnen
- Saisonende und Überwinterung
- Sichere Handhabung
- Schädlinge und Krankheiten
- Tabakmosaikvirus und Hygiene
- Pflegekalender
- Probleme erkennen
- Kurzcheck
1. Kulturtabak und Ziertabak
Die Gattung Nicotiana umfasst zahlreiche einjährige, mehrjährige und strauchförmige Arten.
Sie unterscheiden sich deutlich in Größe, Blattmasse, Blütenfarbe, Duft und Verwendungszweck.
Kulturtabak
Nicotiana tabacum ist der klassische großblättrige Kulturtabak. Er entwickelt einen kräftigen Hauptstängel, große länglich-ovale Blätter und im oberen Bereich verzweigte Blütenstände.
Abhängig von Sorte und Pflege kann die Pflanze ungefähr 1,5–3 m hoch werden.
Bauerntabak
Nicotiana rustica bleibt häufig kompakter, besitzt aber ebenfalls stark alkaloidhaltige Pflanzenteile.
Auch diese Art ist giftig und wird nicht mit essbaren Gartenpflanzen verwechselt.
Duftender Ziertabak
Nicotiana alata wird wegen seiner langen, röhrenförmigen und häufig abends duftenden Blüten kultiviert.
Die ursprünglichen Formen tragen oft weiße oder grünlich-weiße Blüten. Moderne Hybriden sind auch in Rosa, Rot, Gelb und verschiedenen Zwischentönen erhältlich.
Waldtabak
Nicotiana sylvestris bildet große Blattrosetten und hohe Blütenstände mit langen, weißen, stark duftenden Blüten.
Die Pflanze eignet sich besonders als auffällige Solitärpflanze in größeren Beeten.
Kompakte Hybriden
Viele im Handel angebotene Ziertabake gehören zur Nicotiana × sanderae-Gruppe.
Sie bleiben meist deutlich niedriger, blühen tagsüber geöffnet und eignen sich für Balkonkästen, kleinere Beete und gemischte Kübel.
„Tabakpflanze“ kann eine drei Meter hohe Blattpflanze oder eine kompakte Balkonblume meinen. Vor der Pflege lohnt sich daher ein genauer Blick auf Art und Sortenbezeichnung.
2. Wuchs und Lebensweise
Tabak gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Zu seinen botanischen Verwandten zählen Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Auberginen und Petunien.
Blätter
Die großen, weichen Blätter stehen wechselständig am Stängel. Viele Arten besitzen feine Drüsenhaare, durch die sich die Oberfläche leicht klebrig anfühlt.
Die Blattgröße nimmt meist von der Pflanzenbasis zur Spitze hin ab.
Stängel
Der Hauptstängel wächst zunächst aufrecht und bleibt bei ausreichendem Licht relativ stabil.
Zu wenig Licht, übermäßige Stickstoffdüngung oder sehr dichter Stand führen zu langen, weichen und windempfindlichen Pflanzen.
Wurzeln
Tabak entwickelt ein verzweigtes Wurzelsystem, benötigt aber einen lockeren und sauerstoffreichen Boden.
Dauerhafte Staunässe führt zu Wurzelschäden und kann die Pflanze trotz nasser Erde welken lassen.
Blütenstand
Am oberen Ende des Haupttriebs entsteht ein verzweigter Blütenstand mit zahlreichen röhrenförmigen Einzelblüten.
Nach erfolgreicher Bestäubung bilden sich kleine Samenkapseln, die eine sehr große Zahl winziger Samen enthalten.
Eine einzige Samenkapsel enthält genug Saatgut, um die Gartenplanung des kommenden Jahres deutlich zu überfordern.
3. Aussaat und Keimung
Tabaksamen sind außerordentlich klein und werden im Haus vorgezogen.
Eine Aussaat ungefähr sechs bis acht Wochen vor dem geplanten Auspflanzen bietet den Jungpflanzen genügend Zeit, ohne dass sie über Monate auf der Fensterbank stehen müssen.
Zeitpunkt
Für eine Auspflanzung ab Mitte Mai liegt die Aussaat meist zwischen Anfang März und Anfang April.
Substrat
Verwendet wird eine feine, lockere und möglichst keimarme Anzuchterde.
Grobe Holzstücke und große Fasern werden aus der oberen Schicht entfernt, damit die winzigen Samen gleichmäßig aufliegen.
Lichtkeimer
Die Samen werden auf der feuchten Erdoberfläche verteilt und nur leicht angedrückt.
Sie werden nicht oder höchstens mit einer hauchdünnen Schicht feinen Materials bedeckt, da Licht die Keimung unterstützt.
Feuchtigkeit
Die Aussaat wird mit einer feinen Sprühflasche oder von unten befeuchtet.
Ein starker Wasserstrahl würde die Samen zusammenschwemmen oder tief in die Erde drücken.
Abdeckung
Eine transparente Abdeckung hält die Feuchtigkeit stabil. Sie wird täglich gelüftet und nach dem Auflaufen der meisten Keimlinge schrittweise entfernt.
Keimtemperatur
Bei ungefähr 18–24 °C erscheinen die ersten Keimlinge meist innerhalb von ein bis drei Wochen.
Licht nach der Keimung
Sobald die Sämlinge sichtbar sind, benötigen sie sehr viel Licht. Zu warme und dunkle Bedingungen führen zu langen, instabilen Keimlingen.
Tabaksamen werden nicht einzeln feierlich in Pflanzlöcher gelegt. Dafür sind sie zu klein und der verfügbare Nachmittag zu kurz.
4. Pikieren und Jungpflanzen
Nach dem Auflaufen wachsen Tabakkeimlinge zunächst langsam. Sobald mehrere echte Blätter vorhanden sind, werden sie in einzelne Töpfe gesetzt.
Zeitpunkt
Pikiert wird, wenn die Pflanzen neben den Keimblättern ungefähr zwei bis vier echte Blätter entwickelt haben und sich sicher greifen lassen.
Richtig pikieren
- Substrat vor dem Pikieren leicht anfeuchten.
- Keimling vorsichtig an einem Blatt anfassen.
- Wurzeln mit einem Pikierstab oder kleinen Löffel anheben.
- Pflanze in einen kleinen Einzeltopf setzen.
- Erde vorsichtig andrücken.
- Behutsam angießen.
Pflanztiefe
Lang gewachsene Sämlinge dürfen etwas tiefer gesetzt werden. Die Blätter bleiben jedoch klar über der Erdoberfläche.
Licht
Jungpflanzen stehen möglichst hell, aber zunächst nicht direkt an einer heißen Fensterscheibe.
Bei unzureichendem Tageslicht kann zusätzliches Pflanzenlicht notwendig sein.
Düngung
Frisch pikierte Pflanzen werden nicht sofort stark gedüngt. Sobald sie sichtbar weiterwachsen, kann mit einer schwach dosierten, ausgewogenen Düngung begonnen werden.
Tabakkeimlinge beginnen winzig und enden gelegentlich höher als der Gärtner. Dazwischen liegt vor allem ausreichend Licht.
5. Abhärten und Auspflanzen
Im Haus vorgezogene Pflanzen sind direkte Sonne, Wind und große Temperaturschwankungen nicht gewohnt.
Vor dem Auspflanzen werden sie deshalb über ungefähr ein bis zwei Wochen langsam an die Außenbedingungen gewöhnt.
Abhärten
- zunächst wenige Stunden im hellen Schatten aufstellen
- vor starkem Wind schützen
- Aufenthaltsdauer täglich verlängern
- direkte Morgen- und Abendsonne schrittweise steigern
- bei kalten Nächten wieder hereinholen
- Wurzelballen nicht austrocknen lassen
Auspflanzzeit
Tabak wird erst dauerhaft ins Freie gesetzt, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind.
In vielen Regionen Österreichs liegt dieser Zeitpunkt ungefähr ab Mitte Mai.
Pflanzabstand
Kompakte Ziertabake benötigen ungefähr 25–40 cm Abstand.
Große Arten wie Nicotiana tabacum oder Nicotiana sylvestris erhalten je nach Sorte ungefähr 60–90 cm oder mehr.
Pflanzung
Die Pflanze wird ungefähr so tief gesetzt, wie sie zuvor im Topf stand. Anschließend wird gründlich angegossen.
Ein sonniger Maitag ersetzt keine Abhärtung. Auch wärmeliebende Pflanzen können innerhalb weniger Stunden einen eindrucksvollen Sonnenbrand entwickeln.
6. Lage, Licht und Wärme
Sonne
Kulturtabak wächst an einem vollsonnigen Standort besonders kräftig.
Ein Platz mit mindestens sechs Stunden direkter Sonne fördert stabile Triebe, große Blätter und eine gute Blütenentwicklung.
Halbschatten
Leichter Halbschatten wird toleriert. In sehr heißen Lagen kann ein wenig Schatten während der intensivsten Nachmittagssonne Blattstress reduzieren.
Tiefer Schatten führt dagegen zu weichem Wachstum und schwacher Blüte.
Wärme
Tabak wächst bei warmem Sommerwetter besonders schnell. Längere kühle Phasen bremsen Wachstum und Blütenbildung.
Wind
Große Blätter wirken wie Segel. Hohe Pflanzen können bei Böen umknicken oder aus lockerem Boden kippen.
Ein sonniger, luftiger, aber nicht sturmexponierter Standort ist deshalb ideal.
Regen
Starker Regen kann große Blätter einreißen. Einzelne Risse beeinträchtigen die Pflanze meist kaum.
Große Tabakblätter sind funktional, nicht windschnittig. Der Standort sollte daher ausreichend Luft, aber keine regelmäßige Sturmprüfung bieten.
7. Erde und Pflanzung
Tabak bevorzugt einen humosen, nährstoffreichen und gleichmäßig feuchten Boden.
Gleichzeitig muss überschüssiges Wasser rasch ablaufen können.
Boden vorbereiten
- verdichtete Erde tiefgründig lockern
- reifen Kompost einarbeiten
- mehrjährige Wurzelunkräuter entfernen
- bei schweren Böden den Wasserabzug verbessern
- bei sandigen Böden zusätzlichen Humus einarbeiten
Schwere Böden
Lehmige Böden speichern Wasser und Nährstoffe gut, können aber bei Verdichtung zu Sauerstoffmangel führen.
Kompost und grobe mineralische Bestandteile verbessern die Struktur.
Sandige Böden
Sandige Erde erwärmt sich schnell, trocknet aber ebenfalls rasch aus.
Organisches Material und Mulch erhöhen die Wasserspeicherfähigkeit.
Pflanztiefe
Der Wurzelballen wird auf derselben Höhe eingesetzt wie im Anzuchttopf.
Eine tiefe Mulde rund um den Stängel wird vermieden, damit sich dort kein Wasser sammelt.
8. Gießen und Mulchen
Große Tabakpflanzen besitzen eine umfangreiche Blattfläche und verdunsten während warmer Tage viel Wasser.
Der Boden wird gleichmäßig feucht gehalten, ohne dauerhaft nass zu bleiben.
Richtig gießen
- durchdringend statt nur oberflächlich gießen
- Wasser direkt auf den Wurzelbereich geben
- bevorzugt morgens gießen
- zwischen den Wassergaben die Bodenfeuchte prüfen
- Untersetzer und Übertöpfe entleeren
- Staunässe vermeiden
Topfpflanzen
In großen Kübeln kann an heißen, windigen Sommertagen eine tägliche Kontrolle notwendig sein.
Gegossen wird erst, wenn die obere Erdschicht leicht abgetrocknet ist.
Trockenstress
Bei Wassermangel hängen die großen Blätter deutlich nach unten. Hält die Trockenheit länger an, können untere Blätter vergilben und Knospen abgeworfen werden.
Mulchen
Eine Mulchschicht aus Laubkompost, Stroh oder angetrocknetem Grasschnitt hält die Erde gleichmäßiger feucht.
Direkt am Stängel bleibt ein kleiner Bereich frei.
Die großen Blätter reagieren auf Trockenheit ausgesprochen sichtbar. Vor dem reflexartigen Gießen sollte dennoch geprüft werden, ob der Boden trocken oder bereits vernässt ist.
9. Nährstoffe und Düngung
Tabak bildet innerhalb kurzer Zeit viel Blatt- und Triebmasse und benötigt entsprechend ausreichend Nährstoffe.
Grundversorgung
Vor der Pflanzung wird reifer Kompost in den Boden eingearbeitet.
Bei normal versorgtem Gartenboden reicht dies zunächst für das Anwachsen.
Nachdüngung
Sobald die Pflanze kräftig weiterwächst, kann alle zwei bis vier Wochen mit einem ausgewogenen Gemüse- oder Universaldünger nach Herstellerangabe gedüngt werden.
Stickstoff
Stickstoff fördert große Blätter und kräftiges Wachstum.
Ein Überschuss führt jedoch zu sehr weichem Gewebe, verminderter Standfestigkeit und einer möglicherweise späteren Blüte.
Kalium
Kalium unterstützt Wasserhaushalt, Gewebestabilität und Blütenentwicklung.
Düngung im Topf
Im begrenzten Erdvolumen werden Nährstoffe schneller verbraucht. Flüssigdünger wird daher meist häufiger, aber schwächer dosiert gegeben.
Überdüngung erkennen
- sehr dunkelgrüne, ungewöhnlich weiche Blätter
- übermäßig lange Triebe
- geringe Standfestigkeit
- verzögerte Blütenbildung
- braune Blattspitzen
- weiße Salzkrusten auf der Topferde
Eine große Tabakpflanze ist leicht zu erreichen. Eine große, stabile und ausgewogene Tabakpflanze verlangt etwas mehr Zurückhaltung am Düngerregal.
10. Tabak im Topf und auf dem Balkon
Tabak lässt sich in ausreichend großen Gefäßen kultivieren. Für kleine Balkone eignen sich kompakte Ziertabakhybriden besser als großblättriger Kulturtabak.
Topfgröße
Für eine einzelne große Pflanze von Nicotiana tabacum sollte das Gefäß mindestens ungefähr 30–40 Liter fassen.
Ein größeres Gefäß verbessert Wasserversorgung und Standfestigkeit.
Kompakte Ziertabake können abhängig von Sorte und Bepflanzung in deutlich kleineren Gefäßen wachsen.
Substrat
Geeignet ist eine hochwertige, strukturstabile Kübel- oder Gemüseerde.
Reifer Kompost und mineralische Bestandteile wie Bims, Perlit oder Lava können beigemischt werden.
Drainage
- mehrere ausreichend große Abzugslöcher
- Topf leicht erhöht auf Füße stellen
- kein dauerhaft gefüllter Untersetzer
- Abzugslöcher regelmäßig kontrollieren
Standfestigkeit
Ein hoher Tabak mit großen Blättern entwickelt bei Wind eine beträchtliche Hebelwirkung.
Das Gefäß muss schwer und breit genug sein oder zusätzlich gegen Umkippen gesichert werden.
Bewässerung
Kleine Gefäße trocknen schnell aus und erfordern häufiges Gießen. Ein großes Gefäß macht die Wasserversorgung deutlich gleichmäßiger.
Ein großer Kulturtabak im kleinen Blumentopf ist weniger eine Kübelpflanze als ein tägliches Bewässerungsexperiment mit ungünstigem Schwerpunkt.
11. Stützen und zurückschneiden
Tabak benötigt grundsätzlich keinen komplizierten Formschnitt. Die Pflege richtet sich danach, ob die Pflanze vor allem wegen ihrer Blätter oder ihrer Blüten kultiviert wird.
Stützen
Hohe Pflanzen werden frühzeitig mit einem stabilen Stab gesichert.
Das Bindematerial bleibt locker und darf den dicker werdenden Stängel nicht einschnüren.
Beschädigte Blätter
Vollständig abgestorbene, stark beschädigte oder am Boden faulende Blätter können mit einer sauberen Schere entfernt werden.
Kleine Windrisse sind kein Grund, ein ansonsten gesundes Blatt abzuschneiden.
Seitentriebe
Nach Beginn der Blüte können sich in den Blattachseln verstärkt Seitentriebe bilden.
Bei einer dekorativen Gartenpflanze dürfen sie grundsätzlich stehen bleiben. Wird die Pflanze zu dicht oder instabil, können einzelne schwache Triebe entfernt werden.
Verblühtes entfernen
Bei Ziertabak fördert das regelmäßige Entfernen verwelkter Blütenstände häufig eine längere Blüte.
Für die Saatgutgewinnung bleiben ausgewählte Samenkapseln an der Pflanze.
Blütenschnitt
Soll die Pflanze blühen und Nachtfalter anziehen, wird der Hauptblütenstand nicht vorzeitig entfernt.
Diese Seite behandelt Tabak als Garten- und Dokumentationspflanze. Verarbeitungsschritte zur Herstellung von Tabakprodukten sind bewusst nicht Teil des Pflegeleitfadens.
12. Blüte und Bestäubung
Tabakblüten sind röhrenförmig und öffnen sich an verzweigten Blütenständen über den Blättern.
Blütezeit
Je nach Aussaat, Art und Witterung beginnt die Blüte meist im Hoch- oder Spätsommer und kann bis zum ersten Frost andauern.
Duft
Viele Ziertabakarten duften besonders am Abend und in der Nacht.
Der Duft lockt vor allem nachtaktive Bestäuber wie Schwärmer und andere Nachtfalter an.
Tagblühende Hybriden
Moderne kompakte Ziertabakhybriden besitzen oft tagsüber geöffnete Blüten, duften aber teilweise schwächer als die ursprünglichen Arten.
Bestäubung
Viele Tabakarten können sich selbst bestäuben. Insektenbesuch und Luftbewegung können die Samenbildung zusätzlich unterstützen.
Samenkapseln
Nach dem Verblühen entwickelt sich eine kleine grüne Kapsel. Mit zunehmender Reife wird sie braun und trocken.
Die auffällige Pflanze endet nicht mit einer großen Frucht, sondern mit erstaunlich kleinen Samen. Botanische Proportionen unterliegen keiner Verpflichtung zur Dramatik.
13. Saatgut gewinnen
Saatgut wird von gesunden, sortentypischen Pflanzen gewonnen.
Reife erkennen
Reife Samenkapseln werden braun, trocken und beginnen sich an ihrer Spitze zu öffnen.
Sie sollten geerntet werden, bevor Wind oder Regen die winzigen Samen verteilen.
Samen ernten
- Trockene Samenkapseln mit einer Schere abschneiden.
- Kapseln in eine Papiertüte geben.
- Einige Tage trocken nachreifen lassen.
- Kapseln über einem hellen Blatt Papier öffnen.
- Grobe Pflanzenreste vorsichtig aussortieren.
Nachtrocknung
Die Samen werden noch einige Tage dünn auf Papier ausgebreitet, bevor sie verpackt werden.
Lagerung
Vollständig trockenes Saatgut wird in beschrifteten Papierumschlägen oder kleinen luftdichten Behältern kühl, trocken und dunkel gelagert.
Kreuzungen
Wachsen mehrere Tabakarten oder -sorten gleichzeitig nebeneinander, können sich ihre Eigenschaften in der nächsten Generation vermischen.
Beim Öffnen einer reifen Samenkapsel herrscht idealerweise Windstille. Andernfalls besitzt der gesamte Balkon wenige Sekunden später ein botanisches Langzeitprogramm.
14. Saisonende und Überwinterung
Tabak ist frostempfindlich. Bereits leichte Fröste können Blätter und Triebe stark schädigen.
Einjährige Kultur
In Österreich werden Kulturtabak und viele Ziertabake meist einjährig kultiviert.
Nach dem ersten Frost werden die abgestorbenen Pflanzen entfernt.
Gesunde Pflanzenreste
Gesunde, nicht virusverdächtige Pflanzenreste können zerkleinert und entsprechend der örtlichen Gartenpraxis entsorgt werden.
Kranke Pflanzenreste
Pflanzen mit mosaikartigen Verfärbungen, starken Deformationen oder ungeklärten Viruszeichen werden nicht im normalen Gartenkompost entsorgt.
Überwinterungsversuch
Botanisch können manche Nicotiana-Arten in frostfreiem Klima mehrjährig wachsen.
Eine Überwinterung im Kübel ist theoretisch hell und frostfrei möglich, wird aber durch hohen Platzbedarf, Lichtmangel und Schädlingsrisiko erschwert.
Die jährliche Neuaussaat ist meist einfacher und führt zu kräftigeren Pflanzen.
Nicht jede theoretisch mehrjährige Pflanze muss zwangsläufig zwischen Wäscheständer und Winterfenster gerettet werden. Tabak lässt sich im Frühjahr sehr zuverlässig neu aussäen.
15. Sichere Handhabung
Tabakpflanzen enthalten Nikotin und weitere Alkaloide. Pflanzenteile werden nicht gegessen und nicht dort angebaut, wo kleine Kinder oder Haustiere unbeaufsichtigt darauf zugreifen können.
Hautkontakt
Nikotin kann über die Haut aufgenommen werden. Das Risiko steigt deutlich, wenn Blätter durch Regen, Tau oder Schweiß nass sind.
Schutzmaßnahmen
- feuchte Blätter möglichst nicht anfassen
- bei Pflegearbeiten geeignete Handschuhe tragen
- lange Ärmel und lange Hosen verwenden
- nasse Kleidung sofort wechseln
- Hände und Unterarme anschließend gründlich waschen
- nicht während der Arbeit essen, trinken oder rauchen
- Kinder nicht bei Schnitt- oder Erntearbeiten helfen lassen
Mögliche Vergiftungssymptome
Eine stärkere Nikotinaufnahme über feuchte Blätter kann unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schwäche oder Krämpfe verursachen.
Bei entsprechenden Beschwerden wird die Arbeit sofort beendet, kontaminierte Kleidung entfernt, die Haut gewaschen und medizinischer Rat eingeholt.
Nach der Arbeit
Werkzeug, Handschuhe und Arbeitsflächen werden gereinigt. Mit Pflanzensaft verschmutzte Kleidung wird getrennt von normaler Kleidung gewechselt und gewaschen.
Ein einzelnes trockenes Blatt vorsichtig zu kontrollieren ist nicht dasselbe wie stundenlange Arbeit in einem nassen Bestand. Handschuhe und trockene Bedingungen sind dennoch die vernünftige Standardlösung.
16. Schädlinge und Krankheiten
Blattläuse
Blattläuse sitzen häufig an jungen Triebspitzen, Blattunterseiten und Blütenknospen.
Sie verursachen eingerollte Blätter, klebrigen Honigtau und können Pflanzenviren übertragen.
Weiße Fliege
Kleine weiße Insekten fliegen beim Berühren der Pflanze auf. Ihre Larven sitzen meist auf den Blattunterseiten.
Spinnmilben
Helle Sprenkel, matte oder bronzefarbene Blätter und feine Gespinste deuten auf Spinnmilben hin.
Sie treten besonders an warmen, trockenen und geschützten Standorten auf.
Tabakknospenwurm
Raupen des Tabakknospenwurms fressen Löcher in Blütenknospen und Blüten.
Kleine dunkle Kotspuren an beschädigten Knospen sind ein zusätzlicher Hinweis.
Hornraupen
Große grüne Raupen können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Blattmengen fressen.
Die Pflanzen werden regelmäßig abgesucht und Raupen bei Bedarf vorsichtig entfernt.
Schnecken
Schnecken gefährden vor allem junge Pflanzen und bodennahe Blätter.
Grauschimmel
Feuchte, schlecht belüftete Bestände können grauen Pilzbelag an beschädigten Blättern, Blüten und Stängeln entwickeln.
Wurzelfäule
Schlaffe Blätter trotz nasser Erde, gelbe Verfärbungen und dunkle weiche Wurzeln deuten auf Staunässe und Wurzelschäden hin.
Vorbeugung
- ausreichenden Pflanzabstand einhalten
- Staunässe vermeiden
- Blätter beim Gießen möglichst trocken halten
- Überdüngung vermeiden
- Blattunterseiten regelmäßig kontrollieren
- abgestorbene Pflanzenteile entfernen
- Nützlinge schonen
- neue Pflanzen zunächst getrennt beobachten
Große Blätter machen Schäden leicht sichtbar. Das ist kein Zeichen besonderer Empfindlichkeit, sondern eine erfreulich großzügige Diagnosefläche.
17. Tabakmosaikvirus und Hygiene
Das Tabakmosaikvirus kann Tabak und verschiedene andere Nachtschattengewächse befallen.
Mögliche Symptome
- hell- und dunkelgrüne mosaikartige Blattmuster
- verformte oder schmale Blätter
- gestauchtes Wachstum
- unregelmäßige Blattoberflächen
- schwache Blüten- und Samenbildung
Ähnliche Muster können auch durch Nährstoffprobleme, Milbenbefall oder Witterungsstress entstehen. Eine sichere Diagnose ist allein nach dem Aussehen schwierig.
Übertragung
Das Virus kann mechanisch über Hände, Werkzeug, Pflanzenreste und verunreinigte Oberflächen übertragen werden.
Es kann außerhalb einer lebenden Pflanze lange überdauern.
Hygienemaßnahmen
- Hände vor und nach der Pflanzenpflege waschen
- Werkzeug zwischen verdächtigen Pflanzen reinigen
- nicht zuerst Tabak und danach Tomaten oder Paprika bearbeiten
- kranke Pflanzen vollständig entfernen
- verdächtige Pflanzen nicht über Stecklinge vermehren
- kranke Pflanzenreste nicht normal kompostieren
Tabakprodukte
Auch verarbeitetes Tabakmaterial kann mit widerstandsfähigen Mosaikviren verunreinigt sein.
Nach dem Kontakt mit Tabakprodukten werden die Hände gewaschen, bevor Tomaten, Paprika, Auberginen oder andere Nachtschattengewächse gepflegt werden.
Bei Pflanzenviren ersetzt Hygiene die fehlende Heilung. Eine saubere Schere ist weniger spektakulär als ein Pflanzenschutzmittel, aber häufig wesentlich nützlicher.
18. Pflegekalender
| Zeitraum | Arbeiten |
|---|---|
| Jänner | Art und Sorte auswählen, Platzbedarf prüfen und Saatgutvorrat kontrollieren. |
| Februar | Aussaatgefäße, Anzuchterde und ausreichend helle Aufstellfläche vorbereiten. |
| März | Hauptaussaatzeit. Samen oberflächlich aussäen, warm und gleichmäßig feucht halten. |
| April | Keimlinge pikieren, sehr hell stellen und schwach mit der Düngung beginnen. |
| Mai | Jungpflanzen abhärten und nach Ende der Frostgefahr mit ausreichendem Abstand auspflanzen. |
| Juni | Gleichmäßig gießen, mulchen, bei Bedarf düngen und hohe Pflanzen frühzeitig stützen. |
| Juli | Hauptwachstumszeit. Wasserbedarf kontrollieren und Blattunterseiten auf Schädlinge prüfen. |
| August | Blüte beobachten, verblühte Ziertabaksblüten ausputzen und ausgewählte Samenkapseln stehen lassen. |
| September | Reifende Samenkapseln kontrollieren und trockene Kapseln rechtzeitig vor Regen einsammeln. |
| Oktober | Weitere Samen sammeln und Pflanzen vor dem ersten Frost dokumentieren oder bei Bedarf geschützt aufstellen. |
| November | Abgestorbene Pflanzen entfernen, Werkzeug reinigen und gesunde sowie kranke Pflanzenreste getrennt behandeln. |
| Dezember | Saatgut vollständig trocknen, beschriften und kühl sowie dunkel lagern. |
19. Häufige Probleme erkennen
| Beobachtung | Mögliche Ursache und Maßnahme |
|---|---|
| Samen keimen nicht | Saatgut wurde bedeckt, Substrat ist zu kalt, ausgetrocknet oder dauerhaft vernässt. Oberflächlich säen und Bedingungen stabilisieren. |
| Keimlinge sind lang und dünn | Zu wenig Licht bei zu hoher Temperatur. Heller und etwas kühler stellen. |
| Junge Blätter bekommen helle Flecken | Möglicher Sonnenbrand nach zu raschem Ausräumen. Künftig langsamer an direkte Sonne gewöhnen. |
| Untere Blätter werden gelb | Alterung, Stickstoffmangel, Staunässe oder Wurzelstress. Bodenfeuchtigkeit und Wachstum prüfen. |
| Pflanze wächst weich und instabil | Zu wenig Licht, zu viel Stickstoff oder zu dichter Stand. Standort und Düngung korrigieren. |
| Blätter hängen bei trockener Erde | Wassermangel. Gründlich gießen und Feuchtigkeit anschließend gleichmäßiger halten. |
| Blätter hängen bei nasser Erde | Mögliche Staunässe und geschädigte Wurzeln. Wasserabzug kontrollieren. |
| Viele Blätter, aber keine Blüten | Zu viel Stickstoff, zu wenig Licht oder noch nicht erreichte Blühreife. |
| Klebrige Blätter | Wahrscheinlich Honigtau von Blattläusen, Schildläusen oder Weißer Fliege. Blattunterseiten kontrollieren. |
| Feine helle Sprenkel und Gespinste | Wahrscheinlicher Spinnmilbenbefall. Pflanze isolieren und frühzeitig behandeln. |
| Löcher in Blütenknospen | Mögliche Raupen des Tabakknospenwurms. Knospen und Blüten am Abend kontrollieren. |
| Große Blattteile fehlen | Große Raupen oder Schnecken. Pflanze morgens, abends und nachts absuchen. |
| Mosaikartige Blattzeichnung | Mögliches Tabakmosaikvirus, aber auch Nährstoff- oder Schädlingsproblem. Pflanze getrennt stellen und Werkzeughygiene einhalten. |
| Grauer Belag auf beschädigten Blättern | Möglicher Grauschimmel. Befallene Teile entfernen und Luftzirkulation verbessern. |
| Pflanze knickt bei Wind um | Zu weiches Wachstum, lockerer Boden oder fehlende Stütze. Stabil anbinden und Düngung prüfen. |
| Übelkeit oder Schwindel nach Pflegearbeiten | Mögliche Nikotinaufnahme, besonders nach Kontakt mit feuchten Blättern. Arbeit beenden, Haut waschen, Kleidung wechseln und medizinischen Rat einholen. |
20. Kurzcheck für gesunde Tabakpflanzen
- ☐ Art und erwartete Endgröße bekannt
- ☐ Saatgut nur auf die Erde gedrückt und nicht vergraben
- ☐ Keimlinge sehr hell aufgestellt
- ☐ Jungpflanzen rechtzeitig pikiert
- ☐ vor dem Auspflanzen langsam abgehärtet
- ☐ erst nach Ende der Frostgefahr ausgepflanzt
- ☐ sonniger bis leicht halbschattiger Standort
- ☐ ausreichend Abstand zu Nachbarpflanzen
- ☐ humose und gut drainierte Erde
- ☐ gleichmäßige Feuchtigkeit ohne Staunässe
- ☐ kontrollierte Düngung ohne Stickstoffüberschuss
- ☐ hohe Pflanze bei Bedarf stabil angebunden
- ☐ Blattunterseiten regelmäßig kontrolliert
- ☐ Werkzeug zwischen Nachtschattengewächsen gereinigt
- ☐ virusverdächtige Pflanzen getrennt behandelt
- ☐ Kinder und Haustiere von der Pflanze ferngehalten
- ☐ feuchte Blätter nur mit Schutzkleidung angefasst
- ☐ Hände und Werkzeug nach der Pflege gereinigt
- ☐ reife Samenkapseln rechtzeitig eingesammelt
Tabak ist botanisch eindrucksvoll und pflegerisch nicht besonders kompliziert: Wärme, Licht, Nährstoffe und gleichmäßiges Wasser sorgen für schnelles Wachstum. Der entscheidende zusätzliche Punkt ist die sichere Handhabung – insbesondere bei feuchten Blättern.
Sources & further reading
- Royal Horticultural Society: Nicotiana genus guide
- Royal Horticultural Society: Nicotiana tabacum
- NC State Extension: Nicotiana tabacum plant profile
- Royal Horticultural Society: Potentially harmful garden plants
- CDC and NIOSH: Green Tobacco Sickness
- University of Minnesota Extension: Tobacco budworms
- Utah State University Extension: Tobacco and tomato mosaic viruses