Plant Knowledge
Die Kapuzinerkresse ist eine schnell wachsende, frostempfindliche Sommerblume mit runden, schildförmigen Blättern und leuchtenden Blüten in Gelb, Orange, Rot, Creme und verschiedenen Zwischentönen.
Je nach Sorte wächst sie kompakt und buschig oder bildet lange, kriechende beziehungsweise kletternde Triebe. Sie eignet sich deshalb für Beete, Balkonkästen, große Töpfe, Hochbeete, Mauerkronen, Hängeampeln und Rankgerüste.
Blätter, Blüten, Knospen und junge Samenstände sind essbar und besitzen einen deutlich pfeffrigen, an Kresse erinnernden Geschmack.
Kapuzinerkresse ist pflegeleicht, aber nicht völlig anspruchslos. Zu viel Dünger erzeugt vor allem Blätter, zu wenig Wasser beendet bei Sommerhitze überraschend rasch die dekorative Unbeschwertheit.
Schnellübersicht
| Bereich | Empfehlung |
|---|---|
| Standort | Sonnig bis leicht halbschattig, warm und möglichst vor starkem Wind geschützt. |
| Licht | In voller Sonne besonders blühfreudig. Im Halbschatten meist mehr Blätter und weniger Blüten. |
| Boden | Locker, gut drainiert und mäßig nährstoffreich. Sehr fetter Boden fördert Blattwachstum auf Kosten der Blüte. |
| Aussaat | Nach Ende der Frostgefahr direkt ins Freiland oder wenige Wochen zuvor in einzelnen Töpfen vorziehen. |
| Saattiefe | Ungefähr 2 cm tief säen und gleichmäßig feucht halten. |
| Pflanzabstand | Kompakte Sorten ungefähr 25–30 cm, stark rankende Sorten entsprechend weiter auseinander. |
| Wasser | Gleichmäßig, aber nicht übermäßig gießen. Topfpflanzen während heißer Perioden täglich prüfen. |
| Düngung | Im Beet meist kaum notwendig. Im Topf nur schwach und zurückhaltend düngen. |
| Blüte | Je nach Aussaat und Wetter meist von Frühsommer bis zum ersten Frost. |
| Schnitt | Verblühtes und zu lange Triebe bei Bedarf entfernen. Regelmäßiges Ausputzen kann die weitere Blüte fördern. |
| Essbare Teile | Blätter, Blüten, Knospen und junge grüne Samenstände. Nur korrekt bestimmte und unbehandelte Pflanzen nutzen. |
| Winter | Frostempfindlich und meist einjährig kultiviert. Reife Samen können für die nächste Saison gesammelt werden. |
Inhalt
- Wuchs und Lebensweise
- Kompakte und rankende Sorten
- Aussaat und Keimung
- Jungpflanzen und Auspflanzen
- Lage, Sonne und Wärme
- Erde und Nährstoffe
- Gießen und Mulchen
- Düngung
- Rankhilfe und Wuchsführung
- Blüte und Ausputzen
- Essbare Blätter und Blüten
- Knospen und Samenstände
- Kapuzinerkresse im Topf
- Begleitpflanze im Garten
- Schädlinge und Krankheiten
- Pflegebedingte Probleme
- Saatgut gewinnen
- Pflegekalender
- Probleme erkennen
- Kurzcheck
1. Wuchs und Lebensweise
Die Große Kapuzinerkresse gehört zur Familie der Kapuzinerkressengewächse. Sie ist nicht näher mit der Garten-, Brunnen- oder Winterkresse verwandt.
Der deutsche Name bezieht sich auf die Form der Blüten, deren langer Sporn an die Kapuze eines Mönchs erinnern kann.
Blätter
Die nahezu kreisrunden Blätter sitzen an langen Stielen. Der Blattstiel setzt ungefähr in der Mitte der Blattfläche an, wodurch das Blatt wie ein kleiner grüner Schirm wirkt.
Aufgrund ihrer wasserabweisenden Oberfläche sammeln sich Regentropfen häufig als glänzende Kugeln auf den Blättern.
Triebe
Die fleischigen Triebe sind weich, saftig und leicht verletzlich. Kompakte Sorten bilden niedrige Polster, rankende Sorten können mehrere Meter lange Triebe entwickeln.
Blüten
Die auffälligen Blüten besitzen fünf Blütenblätter und einen charakteristischen Sporn. Sie erscheinen in warmen Gelb-, Orange- und Rottönen, bei manchen Sorten auch cremefarben, rosa, burgunderrot oder mehrfarbig.
Lebensdauer
In frostfreien Klimazonen kann Kapuzinerkresse länger leben. In Österreich wird sie wegen ihrer Frostempfindlichkeit normalerweise einjährig kultiviert.
Kapuzinerkresse wächst schnell genug, um innerhalb einer Saison überzeugend so zu wirken, als hätte sie den Standort bereits langfristig übernommen.
2. Kompakte und rankende Sorten
Kompakte Kapuzinerkresse
Kompakte Sorten bilden buschige oder leicht überhängende Pflanzen. Sie eignen sich besonders für Balkonkästen, kleinere Kübel, Beetkanten und niedrige Pflanzungen.
Ihre Triebe bleiben meist deutlich kürzer und benötigen keine eigentliche Rankhilfe.
Rankende Kapuzinerkresse
Rankende Sorten bilden lange, flexible Triebe. Sie können über Mauern, Hochbeete und Hängeampeln wachsen oder an einem Gerüst nach oben geführt werden.
Die Pflanzen besitzen keine Haftwurzeln und keine kräftigen Rankorgane. Sie müssen deshalb teilweise durch ein Gitter, Schnüre oder vorsichtiges Anbinden unterstützt werden.
Buntlaubige Sorten
Einige Sorten besitzen cremefarben oder gelblich marmorierte Blätter. Diese Zeichnung ist sortentypisch und kein Nährstoffmangel.
Gefüllte Sorten
Gefüllte Blüten besitzen zusätzliche Blütenblätter und wirken besonders üppig. Manche gefüllten Sorten setzen weniger oder keine Samen an und werden vegetativ vermehrt.
Sortenwahl
- kompakte Sorten für Kästen und kleine Gefäße
- rankende Sorten für Mauern und große Kübel
- ungefüllte Blüten für besonders leichten Insektenzugang
- buntlaubige Sorten für zusätzliche Blattwirkung
- samenfeste Sorten für eigene Saatgutgewinnung
Vor der Aussaat sollte entschieden werden, ob die Pflanze einen Balkonkasten schmücken oder eine halbe Pergola besiedeln soll. Beides heißt Kapuzinerkresse, aber nicht dasselbe Platzproblem.
3. Aussaat und Keimung
Kapuzinerkresse besitzt große, leicht zu handhabende Samen. Sie kann direkt am endgültigen Standort ausgesät oder wenige Wochen im Haus vorgezogen werden.
Direktsaat
Die Direktsaat erfolgt nach Ende der Frostgefahr in ausreichend erwärmte Erde.
In vielen Regionen Österreichs ist dies ungefähr ab Mitte Mai möglich. In geschützten, milden Lagen kann die Aussaat etwas früher erfolgen, sofern die Keimlinge vor Frost geschützt werden.
Saattiefe
Die Samen werden ungefähr 2 cm tief in die Erde gelegt und anschließend gleichmäßig feucht gehalten.
Abstand
Kompakte Sorten werden nach dem Auflaufen auf ungefähr 25–30 cm Abstand vereinzelt.
Rankende Sorten benötigen je nach gewünschter Wuchsrichtung und Platzangebot größere Abstände.
Vorkultur
Für eine frühere Blüte kann Kapuzinerkresse ungefähr drei bis vier Wochen vor dem Auspflanzen in einzelnen Töpfen vorgezogen werden.
Pro Topf wird ein Samen verwendet. Dadurch muss die empfindliche Jungpflanze später nicht pikiert werden.
Keimbedingungen
Bei ungefähr 18–22 °C keimen die Samen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Nach dem Auflaufen werden die Pflanzen sehr hell und etwas kühler gestellt, damit sie kompakt wachsen.
Samen einweichen?
Die Samen können vor der Aussaat für einige Stunden in zimmerwarmem Wasser eingeweicht werden. Notwendig ist dies bei frischem, keimfähigem Saatgut jedoch nicht.
Kapuzinerkresse besitzt große Samen und wächst schnell. Eine Aussaat im Februar erzeugt deshalb meist keinen Vorsprung, sondern eine lange Beziehung zu mehreren zunehmend ungeduldigen Fensterbankpflanzen.
4. Jungpflanzen und Auspflanzen
Kapuzinerkresse entwickelt empfindliche, fleischige Triebe und reagiert nicht begeistert auf häufiges Umpflanzen.
Vorgezogene Pflanzen werden deshalb möglichst jung und mit ungestörtem Wurzelballen an ihren endgültigen Standort gesetzt.
Abhärten
Vor dem Auspflanzen werden die Jungpflanzen über ungefähr eine Woche schrittweise an Sonne, Wind und kühlere Temperaturen gewöhnt.
- zunächst wenige Stunden im Schatten aufstellen
- vor starkem Wind schützen
- Aufenthaltsdauer täglich verlängern
- direkte Sonne langsam steigern
- bei kalten Nächten wieder ins Haus holen
Auspflanzen
Kapuzinerkresse wird ungefähr so tief gepflanzt, wie sie zuvor im Anzuchttopf stand.
Der Wurzelballen wird vorsichtig eingesetzt, die Erde leicht angedrückt und anschließend gründlich angegossen.
Frost
Bereits leichter Frost kann Blätter und Triebe stark schädigen. Bei angekündigten kalten Nächten werden junge Pflanzen mit Vlies geschützt oder ihre Gefäße vorübergehend hereingeholt.
5. Lage, Sonne und Wärme
Sonne
Kapuzinerkresse blüht an einem sonnigen Standort besonders reich. Mindestens sechs Stunden direktes Licht sind für eine intensive Blüte günstig.
Halbschatten
Leichter Halbschatten wird vertragen. Die Pflanzen bilden dort häufig größere und zahlreichere Blätter, aber weniger Blüten.
In sehr heißen Lagen kann leichter Schatten während der intensivsten Nachmittagssonne helfen, Hitzestress zu reduzieren.
Wärme
Kapuzinerkresse wächst bei mildem bis warmem Sommerwetter besonders schnell.
Sehr hohe Temperaturen in Verbindung mit trockenem Boden können das Wachstum und die Blüte zeitweise bremsen.
Wind
Die saftigen Triebe und langen Blattstiele können bei starkem Wind knicken oder abreißen.
Rankende Pflanzen an exponierten Standorten sollten deshalb an einem durchlässigen Gerüst locker befestigt werden.
Sonne fördert die Blüte, Wind verteilt die Triebe und Sturm verteilt im ungünstigen Fall die gesamte Pflanze.
6. Erde und Nährstoffe
Kapuzinerkresse bevorzugt lockere, gut drainierte und eher mäßig nährstoffreiche Erde.
Sie wächst auch in vergleichsweise mageren Böden und blüht dort häufig reicher als in stark gedüngter Erde.
Zu nährstoffreicher Boden
Ein hoher Stickstoffgehalt führt zu großen, sattgrünen Blättern und langen Trieben. Die Blütenzahl kann dabei deutlich zurückgehen.
Geeignete Erde im Beet
- locker und krümelig
- gut wasserdurchlässig
- nicht frisch stark gedüngt
- frei von länger stehender Staunässe
- bei Bedarf mit etwas reifem Kompost verbessert
Geeignetes Substrat im Topf
Eine hochwertige, torffreie Balkon- oder Kübelpflanzenerde ist meist ausreichend.
Mineralische Bestandteile wie Bims, Perlit oder grober Sand können Wasserabzug und Struktur verbessern.
Kapuzinerkresse ist eine jener Pflanzen, bei denen großzügige Düngung durchaus Erfolg hat – sofern das Ziel eine möglichst große Menge grüner Blätter ist.
7. Gießen und Mulchen
Kapuzinerkresse verträgt kurze trockene Phasen, wächst und blüht aber am zuverlässigsten bei gleichmäßiger Bodenfeuchtigkeit.
Richtig gießen
- durchdringend statt nur oberflächlich gießen
- Wasser möglichst direkt auf die Erde geben
- vorzugsweise morgens gießen
- zwischen den Wassergaben die Oberfläche leicht abtrocknen lassen
- Staunässe vermeiden
- Topfpflanzen bei Hitze täglich kontrollieren
Trockenheit
Bei Wassermangel hängen Blätter und Triebe sichtbar herab. Hält die Trockenheit länger an, wirft die Pflanze Knospen und Blüten ab.
Zu viel Wasser
Dauerhaft nasse Erde verdrängt Sauerstoff aus dem Wurzelraum. Die Pflanze kann trotz feuchter Erde welken und beginnt an der Basis zu faulen.
Mulchen
Eine dünne Mulchschicht kann im Beet die Verdunstung reduzieren. Direkt rund um die Stängelbasis bleibt ein kleiner Bereich frei.
Kapuzinerkresse kann Trockenheit erstaunlich lange kommentarlos hinnehmen. Ihr anschließendes Zusammenfallen ist dafür ausgesprochen deutlich formuliert.
8. Düngung
Im normalen Gartenboden benötigt Kapuzinerkresse meist keine zusätzliche Düngung.
Eine kleine Menge reifen Komposts vor der Aussaat genügt in der Regel für die gesamte Saison.
Düngung im Topf
In Gefäßen werden Nährstoffe mit dem Gießwasser ausgewaschen. Zeigt die Pflanze nach längerer Kultur deutlich blasses, schwaches Wachstum, kann sehr sparsam gedüngt werden.
Geeignet ist ein niedrig dosierter Blühpflanzen- oder Balkondünger. Stickstoffreiche Dünger sollten vermieden werden.
Wann nicht düngen?
- bei großen dunkelgrünen Blättern
- bei langen weichen Trieben
- wenn die Pflanze kaum blüht, aber stark wächst
- bei nasser Erde und schlaffen Blättern
- unmittelbar nach dem Umpflanzen in frische Erde
Eine blütenarme Kapuzinerkresse braucht nicht automatisch mehr Dünger. Sehr häufig hat sie bereits deutlich mehr davon erhalten, als ihrer Blütenmotivation zuträglich war.
9. Rankhilfe und Wuchsführung
Rankende Kapuzinerkresse kann lange Triebe bilden, haftet aber nicht selbstständig an glatten Wänden.
Geeignete Rankhilfen
- feines Rankgitter
- gespannte Schnüre
- Maschendraht
- lockeres Pflanzennetz
- Geländer mit zusätzlichen Querbindungen
Anbinden
Junge Triebe werden vorsichtig durch das Gitter geführt oder mit weichem Material locker befestigt.
Die Bindung darf den weichen Trieb nicht einschnüren.
Überhängender Wuchs
In Balkonkästen, Hängeampeln und auf Mauerkronen dürfen die Triebe frei nach unten wachsen.
Dabei muss darauf geachtet werden, dass sie nicht in Türen, Gehwege oder bewegliche Fenster geraten.
Zu lange Triebe
Werden einzelne Triebe zu lang oder zu dicht, können sie mit einer sauberen Schere eingekürzt werden.
Die Pflanze verzweigt sich anschließend häufig stärker.
Kapuzinerkresse klettert mit Begeisterung, aber ohne technische Ausbildung. Ein wenig Wegweisung verhindert, dass sie ihr Rankgerüst zugunsten des nächstgelegenen Gartenstuhls ignoriert.
10. Blüte und Ausputzen
Bei geeigneten Bedingungen blüht Kapuzinerkresse vom Frühsommer bis zum ersten stärkeren Frost.
Blüten fördern
- sonnigen Standort wählen
- nicht stickstoffreich düngen
- gleichmäßig, aber nicht übermäßig gießen
- verblühte Blüten regelmäßig entfernen
- zu dichte oder überlange Triebe auslichten
Verblühtes entfernen
Werden verwelkte Blüten mitsamt dem kurzen Stiel entfernt, investiert die Pflanze weniger Energie in Samen und kann weitere Knospen bilden.
Samen zulassen
Soll Saatgut gewonnen werden, bleiben ausgewählte Blütenstände nach dem Verblühen an der Pflanze.
Es genügt, nur einen Teil der Samenstände ausreifen zu lassen. Die übrigen verblühten Blüten können weiterhin entfernt werden.
Blüten für Insekten
Die Blüten werden von verschiedenen Insekten besucht. Ungefüllte Blüten bieten einen leichteren Zugang zu Pollen und Nektar als stark gefüllte Sorten.
Wer jede Blüte isst, bekommt keine Samen. Wer jede Blüte zu Samen werden lässt, bekommt weniger neue Blüten. Auch Kapuzinerkresse verlangt gelegentlich strategische Prioritäten.
11. Essbare Blätter und Blüten
Blätter und Blüten besitzen einen würzigen, leicht scharfen und pfeffrigen Geschmack.
Blätter
Junge, zarte Blätter können fein geschnitten in Salaten, Kräuteraufstrichen, Sandwiches, Pesto oder als würzige Garnitur verwendet werden.
Ältere Blätter schmecken meist kräftiger und können eine faserigere Struktur besitzen.
Blüten
Ganze Blüten oder einzelne Blütenblätter eignen sich für Salate, kalte Speisen und dekorative Garnituren.
Der Sporn und die inneren Blütenteile können kräftiger schmecken als die Blütenblätter.
Erntezeitpunkt
Blätter und Blüten werden bevorzugt am Vormittag geerntet, nachdem der Tau abgetrocknet ist.
Sicher verwenden
- nur sicher bestimmte Kapuzinerkresse verwenden
- nur unbehandelte Pflanzen ernten
- nicht von stark befahrenen Straßen sammeln
- vor der Verwendung vorsichtig waschen
- Insekten in Blüten kontrollieren
- zunächst kleine Mengen probieren
Pflanzen aus dem Zierpflanzenhandel können mit Mitteln behandelt worden sein, die nicht für essbare Kulturen vorgesehen sind. Für die Küche sind selbst ausgesäte oder ausdrücklich als essbar angebotene Pflanzen sicherer.
Essbar bedeutet nicht automatisch unbehandelt. Das Etikett „Zierpflanze“ sagt wenig über die Art, aber mitunter sehr viel über die bisherige Kulturführung.
12. Knospen und Samenstände
Blütenknospen
Ungeöffnete Blütenknospen sind ebenfalls essbar und besitzen einen kräftig-würzigen Geschmack.
Junge grüne Samenstände
Nach der Blüte entstehen meist drei miteinander verbundene, rundliche Samenanlagen.
Solange sie jung, grün und weich sind, können sie in Essig oder Salzlake eingelegt und ähnlich wie Kapern verwendet werden.
Reife Samen
Mit zunehmender Reife werden die Samen größer, heller und härter. Vollständig ausgereifte Samen dienen vor allem der Aussaat im folgenden Jahr.
Regelmäßig ernten
Wer junge Samenstände kulinarisch verwenden möchte, kontrolliert die Pflanzen regelmäßig. Zwischen weich und überraschend hart liegen im Sommer nur wenige Tage.
Der Begriff „falsche Kapern“ beschreibt die Verwendung, nicht die Pflanze. Kapuzinerkressesamen bleiben botanisch vollständig überzeugt davon, Kapuzinerkresse zu sein.
13. Kapuzinerkresse im Topf und auf dem Balkon
Kapuzinerkresse eignet sich sehr gut für Balkonkästen, Kübel und Hängeampeln.
Gefäßgröße
Kompakte Sorten wachsen bereits in normalen Balkonkästen. Rankende Sorten benötigen größere und tiefere Gefäße mit entsprechendem Wasservorrat.
Abzugslöcher
Jedes Gefäß braucht ausreichend große Abzugslöcher. Überschüssiges Wasser darf nicht dauerhaft im Untersetzer oder Übertopf stehen.
Pflanzabstand im Kasten
Je nach Sortengröße werden die Pflanzen ungefähr 20–30 cm voneinander entfernt gesetzt.
Zu dicht gesetzte Pflanzen konkurrieren um Wasser und bilden ein schlecht belüftetes Blätterdach.
Wasserbedarf
Balkonkästen trocknen bei Sonne und Wind rasch aus. Während heißer Perioden wird die Erdfeuchtigkeit täglich geprüft.
Düngung
Frische Balkonerde enthält meist ausreichend Nährstoffe für die ersten Wochen.
Später wird nur schwach gedüngt, wenn Wachstum und Blattfarbe deutlich nachlassen.
Rankende Sorten
Ein Gitter, gespannte Schnüre oder ein Geländer ermöglichen eine vertikale Führung.
Alternativ dürfen die Triebe frei über den Rand des Gefäßes hängen.
Kleine Töpfe funktionieren, solange Wetter und Gießkanne zuverlässig kooperieren. Im Hochsommer wird aus einem zu kleinen Gefäß schnell ein täglicher Bewässerungsvertrag.
14. Begleitpflanze im Garten
Kapuzinerkresse wird häufig zwischen Gemüse, an Hochbeeträndern oder unter Obstgehölzen angebaut.
Bodenbedeckung
Lange Triebe können offene Bodenflächen bedecken und dadurch Verdunstung sowie das Wachstum mancher Beikräuter reduzieren.
Blütenangebot
Die lange Blütezeit ergänzt das Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten.
Blattläuse
Kapuzinerkresse wird häufig stark von Blattläusen besiedelt. Sie wird deshalb gelegentlich gezielt als Fang- oder Beobachtungspflanze verwendet.
Das bedeutet jedoch nicht, dass benachbarte Kulturen automatisch frei von Blattläusen bleiben.
Stark befallene Triebspitzen können entfernt werden, bevor sich die Läuse weiter ausbreiten.
Kohlweißlingsraupen
Auch verschiedene Schmetterlingsraupen können Kapuzinerkresse als Futterpflanze nutzen.
Die Pflanze kann dadurch Fraßschäden zeigen und sollte nicht als garantierter Schutzschild für benachbarte Gemüsearten betrachtet werden.
Platz berücksichtigen
Rankende Sorten dürfen kleinere Nachbarpflanzen nicht vollständig überwachsen oder beschatten.
Eine Begleitpflanze ist Teil eines Gartensystems und kein biologischer Sicherheitsdienst. Kapuzinerkresse kann Schädlinge sichtbar machen – sie unterschreibt aber keine Schutzgarantie.
15. Schädlinge und Krankheiten
Blattläuse
Blattläuse sitzen häufig an jungen Triebspitzen, Blattunterseiten und Knospen.
Sie verursachen eingerollte Blätter, klebrigen Honigtau und geschwächtes Wachstum.
- befallene Triebspitzen entfernen
- Pflanze mit einem kräftigen Wasserstrahl abspülen
- Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen schonen
- Überdüngung mit Stickstoff vermeiden
Kohlweißlingsraupen
Gelbgrüne oder grünlich gefärbte Raupen können große Löcher in Blätter fressen.
Pflanzen werden regelmäßig kontrolliert und Raupen bei Bedarf abgesammelt.
Schnecken
Schnecken fressen vor allem junge Keimlinge, zarte Blätter und bodennahe Triebe.
Besonders gefährdet sind frisch ausgesäte oder ausgepflanzte Kapuzinerkressen.
Weiße Fliege
An sehr geschützten Standorten und im Gewächshaus können kleine weiße Fliegen an den Blattunterseiten auftreten.
Spinnmilben
Feine helle Sprenkel, matte Blätter und zarte Gespinste deuten auf Spinnmilben hin.
Sie treten besonders bei warmer, trockener und stehender Luft auf.
Minierfliegen
Helle, gewundene Fraßgänge im Blatt entstehen durch Larven, die zwischen den Blattschichten fressen.
Stark betroffene Blätter können entfernt werden.
Mehltau
Ein weißlicher, mehlartiger Belag kann bei trockenem Stress, dichtem Wuchs und gegen Ende der Saison auftreten.
Stark befallene Blätter werden entfernt. Gleichmäßiges Gießen und gute Luftzirkulation helfen bei der Vorbeugung.
Fäulnis
Dauerhaft nasse Erde, schlecht belüftete Bestände und verletzte Stängel können zu Fäulnis an Wurzeln und Pflanzenbasis führen.
Vorbeugung
- ausreichenden Pflanzabstand einhalten
- Staunässe vermeiden
- nicht übermäßig stickstoffreich düngen
- Blattunterseiten regelmäßig kontrollieren
- kranke Pflanzenteile entfernen
- Nützlinge fördern
- Werkzeug sauber halten
Kapuzinerkresse zieht Blattläuse nicht aus einem Paralleluniversum an. Sie macht einen vorhandenen Befall durch ihre gut einsehbaren Triebspitzen nur besonders eindrucksvoll sichtbar.
16. Pflegebedingte Probleme
Viele Blätter, wenige Blüten
Häufige Ursachen sind zu nährstoffreiche Erde, stickstoffbetonte Düngung oder ein zu schattiger Standort.
Gelbe Blätter
Einzelne ältere Blätter vergilben natürlicherweise. Zahlreiche gelbe Blätter können auf Staunässe, Wurzelschäden, starken Nährstoffmangel oder Schädlingsbefall hinweisen.
Hängende Blätter
Hängen die Blätter bei trockener Erde, benötigt die Pflanze Wasser.
Hängen sie trotz dauerhaft nasser Erde, können Wurzeln durch Sauerstoffmangel geschädigt sein.
Blattränder vertrocknen
Mögliche Ursachen sind Trockenheit, starker Wind, Salzstress durch Überdüngung oder ein überhitzter Wurzelballen.
Keine Keimung
Zu kalte oder dauerhaft nasse Erde kann die Keimung verzögern und Samenfäulnis fördern.
Auch altes, beschädigtes oder zu tief gesätes Saatgut kann schlecht auflaufen.
Wenig Wachstum
Kalte Temperaturen, ein zu kleiner Topf, verdichtete Erde, Wurzelschäden oder ein sehr schattiger Standort können das Wachstum bremsen.
Sonnenbrand
Vorgezogene Pflanzen können nach einem abrupten Wechsel in volle Sonne helle, trockene Blattflecken entwickeln.
Blattfarbe allein ist noch keine Diagnose. Entscheidend sind Erdfeuchtigkeit, Standort, Verteilung der Symptome und die Frage, ob die Pflanze gleichzeitig wächst.
17. Saatgut gewinnen
Kapuzinerkresse lässt sich leicht aus eigenem Saatgut vermehren. Dafür bleiben ausgewählte Blüten nach dem Verblühen an der Pflanze.
Samenentwicklung
Aus jeder erfolgreich bestäubten Blüte entstehen meist drei rundliche Samen.
Sie sind zunächst grün und weich, später heller, trockener und deutlich härter.
Erntezeitpunkt
Reife Samen lösen sich häufig bereits bei leichter Berührung oder fallen von selbst zu Boden.
Sie werden regelmäßig eingesammelt, bevor sie durch Regen dauerhaft nass werden oder unkontrolliert keimen.
Nachtrocknen
- gesunde Samen einsammeln
- Erde und Pflanzenreste entfernen
- flach auf Papier oder einem Gitter ausbreiten
- mehrere Wochen luftig und trocken lagern
- regelmäßig wenden und kontrollieren
Lagerung
Vollständig trockene Samen werden beschriftet, dunkel, kühl und trocken gelagert.
Selbstaussaat
Herabgefallene Samen können im folgenden Frühjahr keimen. Nach kalten oder sehr nassen Wintern ist diese Selbstaussaat jedoch nicht immer zuverlässig.
Kapuzinerkresse sammelt ihre Samen nicht für den Gärtner. Wer zu lange wartet, darf sie später einzeln zwischen Pflasterfugen und Nachbarpflanzen suchen.
18. Pflegekalender
| Zeitraum | Arbeiten |
|---|---|
| Jänner | Sorten auswählen und entscheiden, ob kompakter, rankender oder überhängender Wuchs gewünscht ist. |
| Februar | Saatgut prüfen, Gefäße vorbereiten und Rankhilfen planen. Noch nicht aussäen. |
| März | Beet beziehungsweise Balkonkästen vorbereiten. Auf gute Drainage achten. |
| April | Gegen Monatsende bei Bedarf mit kurzer Vorkultur in einzelnen Töpfen beginnen. |
| Mai | Jungpflanzen abhärten und nach Ende der Frostgefahr auspflanzen. Alternativ direkt säen. |
| Juni | Gleichmäßig gießen, rankende Triebe führen und auf Blattläuse sowie Schnecken kontrollieren. |
| Juli | Blätter und Blüten ernten, Verblühtes entfernen und Topfpflanzen bei Hitze regelmäßig gießen. |
| August | Weiter ernten und ausputzen. Erste ausgewählte Samenstände für die Saatgutgewinnung stehen lassen. |
| September | Reife Samen sammeln, lange Triebe bei Bedarf kürzen und auf Mehltau achten. |
| Oktober | Blüte bis zum Frost nutzen, weitere Samen sammeln und frostgeschädigte Pflanzen anschließend entfernen. |
| November | Gesunde Pflanzenreste kompostieren und gesammelte Samen weiter nachtrocknen. |
| Dezember | Vollständig trockene Samen beschriften und kühl, trocken sowie dunkel lagern. |
19. Häufige Probleme erkennen
| Beobachtung | Mögliche Ursache und Maßnahme |
|---|---|
| Viele Blätter, kaum Blüten | Zu viel Stickstoff oder zu wenig Sonne. Düngung pausieren und Standort prüfen. |
| Pflanze wächst lang und dünn | Zu wenig Licht oder sehr dichter Stand. Heller stellen und bei Bedarf auslichten. |
| Blätter hängen bei trockener Erde | Wassermangel. Gründlich gießen und anschließend gleichmäßig feucht halten. |
| Blätter hängen bei nasser Erde | Mögliche Staunässe oder Wurzelschäden. Wasserabzug kontrollieren. |
| Gelbe untere Blätter | Natürliche Alterung, Staunässe, Nährstoffmangel oder Lichtmangel. Gesamtzustand prüfen. |
| Triebspitzen voller schwarzer Läuse | Blattlausbefall. Befallene Spitzen entfernen, Pflanze abspülen und Nützlinge schonen. |
| Große Löcher in den Blättern | Raupen oder Schnecken. Pflanze besonders morgens und abends kontrollieren. |
| Helle gewundene Linien im Blatt | Mögliche Minierfliegenlarven. Stark befallene Blätter entfernen. |
| Weißer, mehlartiger Belag | Möglicher Echter Mehltau. Luftzirkulation verbessern und stark befallene Blätter entfernen. |
| Triebe faulen an der Basis | Staunässe, Verletzung oder dauerhaft feuchte Erde. Betroffene Teile entfernen und Wasserabzug verbessern. |
| Helle trockene Flecken nach dem Auspflanzen | Möglicher Sonnenbrand. Jungpflanzen künftig schrittweise an Sonne gewöhnen. |
| Bunt gemusterte Blätter | Bei entsprechenden Sorten normale Panaschierung. Sortenbeschreibung und gleichmäßiges Muster prüfen. |
| Pflanze stirbt nach kalter Nacht ab | Frostschaden. Kapuzinerkresse ist nicht frosthart. Gesunde Samen für die nächste Saison sammeln. |
20. Kurzcheck für gesunde Kapuzinerkresse
- ☐ kompakte oder rankende Sorte passend zum Standort gewählt
- ☐ sonniger bis leicht halbschattiger Platz
- ☐ erst nach Ende der Frostgefahr ausgesät oder ausgepflanzt
- ☐ lockere und gut drainierte Erde
- ☐ Boden nicht übermäßig gedüngt
- ☐ ungefähr 25–30 cm Pflanzabstand eingehalten
- ☐ gleichmäßig gegossen, aber Staunässe vermieden
- ☐ Topfpflanzen bei Hitze täglich kontrolliert
- ☐ rankende Triebe locker geführt oder angebunden
- ☐ Verblühtes für längere Blüte entfernt
- ☐ einzelne Samenstände für Saatgut stehen gelassen
- ☐ Blattunterseiten und Triebspitzen kontrolliert
- ☐ Blattläuse, Raupen und Schnecken früh erkannt
- ☐ nur sicher bestimmte, unbehandelte Pflanzenteile gegessen
- ☐ stark bittere oder auffällige Pflanzenteile nicht verwendet
- ☐ reife Samen vollständig nachgetrocknet
Kapuzinerkresse verlangt wenig: Sonne, durchlässige Erde, ausreichend Wasser und Zurückhaltung beim Dünger. Dafür liefert sie Blätter, Blüten, lange Triebe, essbare Samenstände und gelegentlich eine erstaunlich gut organisierte Blattlauskolonie.